Wirtschaft

Datenbank liegt nach Hack lahm Shootingstar Iota droht turbulenter Neustart

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Was passiert, wenn die Iota-Blockchain weiter stillsteht? Und was, wenn sie wieder hochfährt?Nieman weiß es.

Der Hacker-Angriff auf die wichtigste deutsche Digitalwährung ist ein Schock. Token im Wert von 2,4 Millionen Dollar verschwinden, obwohl Iota als besonders sicher gilt. Die Entwickler stoppen die Datenbank. Das ist ein Novum. Was passiert, wenn sie das Netzwerk wieder anwerfen, ist unklar.

Stillstand ist definitiv kein guter Zustand für eine Blockchain. Im aktuellen Fall geht es um Iota, eine der bekanntesten und beliebtesten Blockchain-Alternativen in Deutschland. Vor einigen Tagen wurde bekannt, dass sogenannte Wallets, also digitale Brieftaschen, gehackt und deren Besitzer um Iota-Token im Wert von 2,4 Millionen Dollar erleichtert wurden. Seitdem liegt die Blockchain still.

Ein Hack ist an sich nichts Ungewöhnliches in der Welt der Kryptowährungen. Berichte über Angriffe auf Krypto-Börsen oder digitale Brieftaschen gibt es immer wieder. Viele Millionen Dollar wurden in den letzten Jahren schon gestohlen. Bei Iota liegt der Fall jedoch etwas anders. Diese spezielle digitale "Brieftasche" sollte eigentlich ganz besonders sicher sein und genau vor solchen Angriffen schützen. Dieser Hack ist damit der größte anzunehmende Unfall.

Kein Grund zur Panik

Rückblick: Im November wird ein technisches Tool eines Drittanbieters bei der Installation kompromittiert. Die Hacker beschaffen sich erst unbemerkt Zugang zu den Wallets, dann schlagen sie zu. Vor einigen Tagen häufen sich Berichte von Usern über verschwundene Tokens. Die Iota-Foundation reagiert schnell. Sie erstellt einen Rettungsplan, um Schaden abzuwenden, und stellt den Betrieb des zentralen Koordinators ein. In der Praxis bedeutet das: Transaktionen sind offiziell nicht mehr möglich. "Iota besitzt ein vergleichsweise vorbildliches Krisenmanagement," sagt Währungsanalyst Timo Emden ntv. Anleger seien besorgt, aber nicht panisch, lobt er das Krisenmanagement.

Der Koordinator ist eine Besonderheit des Iota-Netzwerks: Er hält die Datenbank auch dann am Laufen, wenn die Zahl der Transaktionen eigentlich zu gering ist. Iota ist angetreten, um ein belastbares Bezahlsystem für das Internet der Dinge aufzubauen. Irgendwann einmal sollen Milliarden von Geräten, wie Autos, Kühlschränke, Fernseher oder auch Handys, automatisch bezahlen können. Das Problem: Wenn in Zukunft Milliarden Transaktionen pro Tag abgewickelt werden sollen, wird das den Energieverbrauch in exorbitante Höhen treiben. Iota hat hierfür eine Lösung gefunden: Das sogenannte Tangle-Netzwerk. Die Datenbank soll angeblich schneller und effizienter sein als die von Bitcoin - ein Beweis steht allerdings noch aus.

Dafür hat das Iota-Tangle allerdings eine andere Schwachstelle: Ist die Zahl der Transaktion zu gering, streikt das System und es braucht den genannten zentralen Koordinator, der die Datenbank am Laufen hält. Genau den hat die Iota-Foundation vor einigen Tagen abgeschaltet. Mit Spannung werden viele auf den kommenden Montag schauen, dann soll nach Medienberichten der Koordinator wieder eingeschaltet werden.

Wie reagiert der Kurs, wenn das Netzwerk wieder läuft?

Wirklich überraschend ist derzeit, dass trotz der Abschaltung des Koordinators seit Tagen weiter Iota-Token an diversen Kryptobörsen gehandelt werden. Eigentlich ist es ein Ding der Unmöglichkeit, denn jede Transaktion müsste durch das System bestätigt und verifiziert werden. Für Experten steht fest: Die Börsen scheinen hier ein eigenes "Liquiditäts"-System am Laufen zu halten, um den Handel zu ermöglichen.

Die beteiligten Börsen lassen angeblich alle Transaktionen über ein Wallet laufen. Über kurz oder lang dürfte das jedoch Probleme mit sich bringen: "Wenn Iota weiter stillsteht, ist es durchaus wahrscheinlich, dass irgendwann der Handel eingestellt werden muss", sagt Blockchain- und Kryptowährungsexperte Philipp Sandner vom Frankfurt School Blockchain Center ntv. Ein Szenario, das bis heute kaum vorgekommen sei, da Blockchains nie stillstünden. Früher oder später komme das Netzwerk in Legitimationsprobleme und man könne sich die Frage stellen, ob das der Anfang vom Ende von Iota ist. Auch Währungsanalyst Timo Enden schließt Probleme nicht aus: "Spannend wird sein, was mit dem Kurs passiert, wenn das Tangle-Hauptnetzwerk wieder läuft." Es könnte dann ziemlich turbulent zugehen, sagt er.

Hackerangriffe sind für Iota besonders bitter, ist das Startup doch angetreten, um ein sicheres automatisches Bezahlsystem aufzubauen. "Interessant dürfte sein, wie stark das Vertrauen in das System gelitten hat, wenn alle Wogen geglättet sind", sagt Analyst Emden. Die Iota-Kritiker dürften sich bestätigt fühlen. Trotzdem könnte Iota aber auch gestärkt aus der Situation herausgehen. Vor allem die starke Entwickler-Community im Hintergrund hat seiner Meinung nach viel Potenzial. 

Quelle: ntv.de

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