Wirtschaft

Wartezeit für Windräder Siag Schaaf ist pleite

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Ungebremst strömen die Luftmassen über die Nordsee und setzen die riesigen Rotorblätter in Bewegung.

(Foto: REUTERS)

Der familiengeführte Windkraftzulieferer Siag Schaaf Industrie hebt die Hände. Verzögerungen beim Bau von Windkraftanlagen lassen keinen anderen Ausweg. Der Siag-Chef muss zum Amtsgericht.

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Gewaltige Dreibeiner für Offshore-Windparks auf dem Gelände der Sieg Nordseewerke in Emden: Verzögerungen treffen die Kleinen härter als die Großen.

(Foto: dapd)

Der Windkraft-Zulieferer Siag Schaaf Industrie steht vor der Pleite: Das zahlungsunfähige Unternehmen aus dem Westerwald wollte zu Wochenbeginn beim Amtsgericht Montabaur Insolvenzantrag stellen.

Zum Kerngeschäft der Siag Schaaf Industrie AG zählen Windkrafttechnologien an Land und auf dem Meer. Nach der verzögerten Abwicklung von Projekten hatte das Unternehmen aus dem rheinland-pfälzischen Dernbach Ende Februar mitgeteilt, dass mindestens die Hälfte des Grundkapitals aufgezehrt sei.

Die Gesellschaften der Siag beschäftigen nach Unternehmensangaben 1800 Menschen an elf Standorten. Wie viele Mitarbeiter und welche Unternehmenstöchter von der Insolvenz betroffen sind, war zunächst nicht bekannt.

Aufatmen können offenbar die Mitarbeiter der Siag Nordseewerke in Emden. Die Nordseewerke gehen an Siag sei von der Insolvenz des Mutterkonzerns "nicht direkt" betroffen, teilte der Betriebsrat in Emden mit. In den Nordseewerken beschäftigt die Siag-Tochter knapp 700 Mitarbeiter.

Insgesamt beschäftigt die 1999 gegründete Siag Schaaf Industrie AG 1800 Mitarbeiter. Siag hatte bereits im Februar mitgeteilt, dass Reserven im Grundkapital zur Neige gingen. Die auf Komponenten für Windkraftanlagen spezialisierte Firma sei aber nicht gefährdet, da erhebliche Reserven vorhanden seien, hieß es damals.

Wenn der lange Atem fehlt

Als Grund für die Schwierigkeiten wurden bereits zu diesem Zeitpunkt auf Verzögerungen bei der Projektabwicklung hingewiesen. In den ersten neun Monaten 2011 hatte Siag rote Zahlen geschrieben.

Seine Verluste bezifferte das Unternehmen auf 11,5 Mio. Euro. Das Eigenkapital schmolz von 16 Mio. Euro auf 4,4 Mio. Euro ein - und damit deutlich stärker als angegeben. Erst im Sommer 2011 hatte sich das Unternehmen frisches Kapital über eine Anleihe besorgt.

Die Windkraft-Branche leidet unter Überkapazitäten am Markt. Das sorgt für Preis- und Margendruck. Auch der Anschluss der Windparks auf hoher See ans Stromnetz stellt die Branche vor Schwierigkeiten.

Die Energiekonzerne Eon und RWE hatten deshalb zuletzt vor Investitionsunsicherheit gewarnt und die Befürchtung geäußert, die ehrgeizigen Windkraft-Ausbaupläne der Bundesregierung könnten scheitern.

Quelle: n-tv.de, dpa/rts

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