Wirtschaft

Mario Draghi hilft Silber ist doppelt reizvoll

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Wie wird sich der Preis für Silber entwickeln?

(Foto: Reuters)

Die meisten Rohstoffe bereiten Anlegern derzeit wenig Freude. Auch der Preis für Silber dümpelt vor sich hin. Doch das könnte sich bald ändern.

2014 ist für Rohstoffinvestoren ein traumhaftes Jahr - aber nur dann, wenn sie antizyklisch unterwegs sind oder auf Platin und Palladium gesetzt haben. Denn abgesehen von ausgesuchten Agrarrohstoffen wie Kaffee war 2014 bisher kein Jahr für Freudensprünge. Wer aber langfristig bei Rohstoffen seinen Depotanteil erweitern möchte, kann nun in Ruhe zugreifen und hat mitunter auch die Charts auf seiner Seite. Das beste Beispiel hierfür ist Silber.

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Der Kurs liegt in etwa auf dem Niveau vom Jahresbeginn, doch blickt man auf die fünfjährige Kurve, so zeichnet sich eine breit angelegte Bodenbildung ab, die seit Sommer 2013 mehrfach das Level von rund 19 Dollar bestätigte. Charttechnisch gibt es also Hoffnung, doch was spricht fundamental für Silber?

Zunächst einmal ist die Bedeutung von Silber als Investmentvehikel bei Weitem nicht so groß wie bei Gold. Denn mehr als die Hälfte der Nachfrage nach Silber kommt aus Industrieanwendungen, wo es bei der Herstellung von Elektronikartikeln oder Solarpanels zum Einsatz kommt. Und wenn die Konjunkturdaten aus Deutschland im Speziellen und Europa im Allgemeinen zusehends schlechter werden, trüben sich die Perspektiven für die Silbernachfrage ein. Dieser Aspekt kann Silber also keinen Rückenwind geben.

Doch Silber könnte in den kommenden Monaten einen heimlichen Verbündeten gewinnen, und wie schon im alten Rom kommt die "Vorliebe" für Silber aus Italien - in persona Mario Draghi. "Die geldpolitisch offensiven Äußerungen Mario Draghis könnten Edelmetallkäufern ebenso in die Karten spielen wie die Tatsache, dass die Notenbank in den USA selbst bei einer kleinen Zinserhöhung noch lange sehr niedrige Zinsen erwarten lässt. Inflationssorgen könnten daher schnell wieder aufkeimen und Silber neben Gold in den Fokus rücken", erwartet Funda Sertkaya von Ophirum.

Druckt Draghi mit Janet Yellen und seinem japanischen Kollegen Kuroda um die Wette, könnte auch endlich die europäische Konjunktur den dringend nötigen Schub erhalten. Zuletzt war die Industrieproduktion in Deutschland im Juni um 0,3 Prozent gegenüber dem Vormonat gesunken, gegenüber dem Vorjahr stand ein Minus von 0,5 Prozent zu Buche, diese Faktoren sind jedoch eingepreist.

Dazu lohnt ein Blick auf die langfristige Bewertung bei Silber und die Relation zu Gold. Das Gold-Silber-Ratio liegt mit 66 gegenwärtig auf einem kurz- und langfristig sehr hohen Niveau. Häufig kam es an diesem Punkt zu einer Outperformance von Silber gegenüber Gold und zusätzlich zu einer positiven Entwicklung beider Edelmetalle" erläutert die Ophirum-Expertin. Der Schnitt für die vergangenen fünf Jahre liegt bei 57. Im 20. Jahrhundert lag der Durchschnitt sogar bei rund dem 40fachen. Gemessen daran hätte der "kleine Bruder" deutliches Kurspotenzial, zumal die mittel- und langfristigen Perspektiven weiter gut sind.

Weil das Silber bei der Herstellung von Elektronikartikeln oder Solarpanels "verbraucht" wird, und damit für künftige Anwendungen nicht mehr zur Verfügung steht, schmelzen die weltweiten Vorräte zusehends dahin. Laut einer Studie des Branchenverbands Silver Institute sind sie zuletzt auf weniger als 1,39 Mrd. Unzen (43.233,83 Tonnen) gesunken und liegen damit in der Nähe des Allzeittiefs. Im Jahr 1900 wären es noch zwölf Billionen Unzen gewesen.

Nimmt man die charttechnische Lage hinzu und wägt die Argumente ab, so könnte das Timing für einen langfristigen Einstieg bei Silber günstig sein. Kann der Chart dann seine Bodenbildung in den kommenden Monaten abschließen, so dürfen Investoren auch wieder von Kursen deutlich jenseits der 20-Dollar-Marke träumen.

Quelle: ntv.de