Wirtschaft

Kommt die Zinswende? Sparer schöpfen neue Hoffnung

24Fed.jpg

Die US-Notenbank in Washington.

(Foto: Reuters)

Die Zinsen für zehnjährige US-Staatsanleihen klettern merklich, auch für die entsprechende Bundesanleihe gibt es fast 0,5 Prozent Zinsen. Derweil streiten in den USA zwei Anleihegurus, ob wirklich eine Zinswende eingetreten ist.

Gibt es bald nachhaltig höhere Zinsen? 2,6 Prozent Zinsen für eine US-Staatsanleihe zehnjähriger Laufzeit deuten in den USA durchaus eine Zinswende an. Noch im Juli 2016 fiel der Kupon mit 1,3 Prozent lediglich halb so hoch aus. Am Bondmarkt ist eine derartige Veränderung massiv.

Hinzu kommt: Führende Volkswirte sehen darüber hinaus die Marke von drei Prozent bei US-Bonds als gefährlich an. Denn die US-Volkswirtschaft ist ungeachtet des zuletzt starken Wachstums hoch verschuldet, Präsident Donald Trump hat die Schulden ebenso wie sein Vorgänger Barack Obama ausgebaut - auf fast 21 Billionen US-Dollar, knapp 110 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Zum Vergleich: Deutschlands Schulden liegen bei unter 70 Prozent des BIP, knapp zwei Billionen Euro.

Angesichts der Schuldenlast der US-Amerikaner ist eine nachhaltige und deutliche Zinswende im Grunde nicht darstellbar. Marktverwerfungen wären vermutlich ebenso die Folge wie eine deutliche Rezession. Verwerfungen werden deshalb befürchtet, da beispielsweise der US-Häusermarkt sehr zinssensitiv reagiert. Außerdem brauchen verschuldete Staaten niedrige Zinsen als günstige Finanzierung ihrer Schulden. Deutschland könnte höhere Zinsen zwar stemmen, doch in den USA wird es schwierig. Länder wie Italien kämen an den Rand des Bankrotts. Genau deshalb ließ sich die US-Notenbank Fed viel Zeit mit einer Straffung, zaudert die EZB noch immer.

Vor diesem Hintergrund streiten sich der ehemaligen Anleihenkönig Bill Gross und sein Nachfolger Jeff Gundlach, welche Richtung der Zinsmarkt einschlagen wird.

"Zu früh"

Vor ein paar Tagen sorgte Bill Gross, bis 2014 Chef vom Anleihe-Giganten Pimco und seitdem Fondsmanager beim Vermögensverwalter Janus Capital Group, für Aufsehen. Er twitterte, der jahrzehntelange Bullenmarkt bei zehnjährigen US-Anleihen sei vorbei und ein Bärenmarkt habe begonnen. Gross verwies darauf, dass die US-Notenbank im Laufe des Jahres ihre Bilanzsumme durch den Verkauf von Staats- und Hypothekenanleihen kräftig abbauen werde, was für Auftrieb bei den Zinsen sorge. Der Finanzprofi geht allerdings nur von "einem leichten Bärenmarkt" aus, also dass die Zinsen von US-Bonds bis zum Jahresende auf 2,7 bis 2,8 Prozent steigen würden. Ein Bärenmarkt bedeutet in diesem Zusammenhang einen nachhaltigen Kursrückgang, sprich Zinsanstieg.

Der neue Anleihenkönig Jeff Gundlach hat Gross allerdings noch am gleichen Tag widersprochen. "Gross ist zu früh mit seiner Bärenmarktprognose", sagte Gundlach, den eine innige Rivalität mit Gross verbindet. Das ist die freundliche Umschreibung für die Aussage, dass er falsch liege. Gundlach würde einen Bärenmarkt an den 30-jährigen US-Anleihen festmachen. "Die Zinsen für 30-jährige Anleihen müssen auf 2,99 Prozent oder darüber steigen, damit die Trendlinie gebrochen wird", betonte der Experte. Mit 2,88 Prozent nähern sie sich allerdings im Eiltempo jener Marke.

Gundlach warnte jedoch, dass wenn die Zinsen für zehnjährige Anleihen erst einmal die Marke von 2,63 Prozent geknackt hätten, dass es anschließend noch deutlich stärker nach oben gehen dürfte. "3,25 Prozent ist plausibel für irgendwann im Jahr 2018", sagte der Finanzprofi.

Was bedeutet all dies nun für deutsche Sparer? Ein Umfeld steigender US-Zinsen sind prinzipiell gute Nachrichten für hiesige Anleger, dürften sie doch die Renditen für Bundesanleihen weiter nach oben ziehen. Dafür setzt sich auch Bundesbank-Chef Jens Weidmann ein. Jüngst sprach er sich einmal mehr für ein Auslaufen des billionenschweren Anleihenkaufprogramms der EZB in diesem Jahr ein. "Das hielte ich aus heutiger Sicht für angemessen", sagte Weidmann. Hinzu kommt, dass die Inflation steigt. Allerdings dürfte es noch lange dauern, bis Sparer auf ihrem Giro- oder Tagesgeldkonto eine Verzinsungszahl sehen, die den Namen verdient.

Da die Inflation jedoch Jahr für Jahr bei Bargeldhaltung Vermögen wegfrisst, sind zumindest ordentlich rentierende Festzinsanleihen ein Ausweg. Für eine fünf Jahre laufende sind mit der Kennung A2GSG1 von der Deutschen Kreditbank momentan 1,3 Prozent pro Jahr zu erzielen während die fünfjährige Bundesanleihe mit minus 0,1 Prozent immer noch negativ rentiert. Daran ändert auch die Diskussion zwischen Jeff Gundlach und Bill Gross wenig.

Quelle: n-tv.de