Wirtschaft

Geisterspiele in Tokio Unternehmen wenden sich von Olympia ab

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Seine Worte haben Gewicht: Suntory-Chef Takeshi Niinami ist Wirtschaftsberater von Premierminister Yoshihide Suga.

(Foto: REUTERS)

Gegen die Olympischen Spiele gibt es vor allem ein Argument: die Kosten. Und was ist mit Olympia ohne Zuschauer? Der einflussreiche Chef des japanischen Whisky-Riesen Suntory, Niinami, kritisiert die "enormen Verluste" bei Geisterspielen und stellt die Sinnfrage. Der Regierung macht er schwere Vorwürfe.

Die Antwort auf die Frage nach der Wirtschaftlichkeit der Olympischen Spiele ist wohl nie zuvor so vernichtend ausgefallen wie in diesem Jahr: Zumindest unter dem Wirtschaftlichkeitsgesichtspunkt ergibt das Spektakel in Japan, das wegen der Pandemie diesmal ohne Zuschauer stattfinden muss, schlicht keinen Sinn. Das sieht auch einer der prominentesten Wirtschaftsführer Japans so.

Für Takeshi Niinami, Chef des japanischen Whiskyherstellers Suntory, geht die Rechnung nicht mehr auf. "Die wirtschaftlichen Verluste werden enorm sein", sagt er "CNN". Nach seiner Schätzung hätten japanische Unternehmen einen Umsatzanstieg von etwa zehn Prozent erzielen können, wenn Zuschauer zugelassen gewesen wären. Ursprünglich hatte Suntory erwogen, Olympia-Sponsor zu werden, sich aber dagegen entschieden, weil es "zu teuer" gewesen wäre. Es sei jetzt an der Zeit, die Frage nach dem Wert der Olympischen Spiele zu stellen, so der Chef des Traditionsunternehmens aus Tokio. "Ich denke, die Olympischen Spiele haben an kommerziellem Wert verloren."

Als Wirtschaftsberater von Premierminister Yoshihide Suga genießt Niinami Ansehen in der japanischen Wirtschaftswelt. Ausgerechnet er spart nun nicht mit Kritik an der Regierung: "Ich weiß nicht, warum die Spiele nicht [erneut]verschoben wurden." Er verwies auf Japans zögerliche Impfkamapgne sowie die anhaltende Hitzewelle in Tokio. Die Spiele hätte mindestens zwei Monate verschoben werden müssen, so Niinami. Und er steht damit nicht allein: Fast 80 Prozent der Japaner sagen, dass die Olympischen Spiele nicht stattfinden sollten, zitiert "CNN" eine vergangene Woche veröffentlichte Umfrage von Ipsos Mori.

Ein Schlag ins Kontor

Weil das Coronavirus im Land wieder stärker grassiert, hat Tokio Anfang des monats Zuschauer ausgeschlossen. Die Nachricht war ein schwerer Schlag für Unternehmen, die ein großes Geschäft durch höhere Konsumausgaben gewittert hatten. Mehr als 60 japanische Unternehmen haben die Rekordsumme von drei Milliarden US-Dollar für die diesjährigen Olympischen Spiele ausgegeben - sie müssen sich jetzt Sorgen um ihre Kapitalrendite machen. Viele Unternehmen wenden sich von dem Ereignis ab: Toyota zum Beispiel, einer der größten Sponsoren der Spiele, entschied diese Woche, keine Anzeigen im Zusammenhang mit der Olympiade in Japan zu veröffentlichen, stattdessen soll es nur "normale" Werbespots schalten würde. Der Grund: Die Spiele sind in er japanischen Bevölkerung so unbeliebt, dass Firmen durch Olympia-Werbung einen Image-Verlust fürchten.

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Aber nicht nur Unternehmen haben sich verkalkuliert. Die japanische Hauptstadt hatte sich durch das Sportereignis Zuschauererlöse von umgerechnet rund 815 Millionen Dollar versprochen. Auch die dürften nun annähernd auf Null zusammenschmelzen, auch wenn an Veranstaltungsorten außerhalb der Millionenstadt einige Zuschauer zugelassen sind.

Die Organisatoren der Olympischen Sommerspiele in Tokio stehen ebenfalls vor einem wirtschaftlichen Desaster. Insidern zufolge müssen sie fürchten, auf den Einnahmeausfällen durch das Verbot von Zuschauern in den Stadien weitgehend sitzenzubleiben. Das lokale Organisationskomitee habe die bestehenden Versicherungspolicen bereits zum größten Teil bereits für die Kosten der Verschiebung um ein Jahr auf 2021 aufgebraucht, hieß es zuletzt.

Quelle: ntv.de, ddi

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