Wirtschaft

Einkaufsspezialist im Interview Was beim Impfstoff-Bestellen falsch lief

Eine Klinik-Mitarbeiterin zieht den Covid-19 Impfstoff von Biontech/Pfizer für eine Impfung auf eine Spritze. Foto: Sven Hoppe/dpa/Symbolbild

In Deutschland geht es beim Impfen nur langsam voran.

(Foto: Sven Hoppe/dpa/Symbolbild)

Trotz des neuen "nationalen Impfplans" sind viele unzufrieden: zu wenig Impfstoff, zu schleppend läuft die deutsche Impfkampagne. Im Podcast "Die Stunde Null" erklärt der Einkaufsspezialist Gerd Kerkhoff, welcher Fehler in den Verhandlungen gemacht wurde.

Die Erleichterung war groß, als der erste Impfstoff im Dezember letzten Jahres in der EU auf den Markt kam. Mittlerweile hat sich Ernüchterung breit gemacht: Chaos bei der Terminvergabe, Lieferschwierigkeiten, Streit mit Impfstoffherstellern. Während andere Länder wie Israel und Großbritannien schnell voranschreiten, klagt Deutschland über fehlenden Impfstoff. Auch der Einkaufsberater Gerd Kerkhoff kritisiert die bisherige Strategie. Bei derart knappen Gütern gebe es nur zwei Möglichkeiten, sagte Kerkhoff im Podcast "Die Stunde Null": "Entweder Sie machen das ganz schnell - oder man geht hin und sagt, man bietet mehr als der Monopolist eigentlich haben will, um für ihn extrem attraktiv zu sein."

Als im vergangenen Juni die Verhandlungen zwischen der EU und den Herstellern angelaufen waren, sei jedes der Unternehmen davon ausgegangen, dass es als erstes am Markt sein werde. "Dieses Gefühl stellt dann die Marktsituation da. Bin ich der Einzige, der die Zulassung hat, bin ich Monopolist," sagt Kerkhoff, der 1999 seine Düsseldorfer Beratung gegründet hatte und Unternehmen bei der Optimierung ihrer Lieferketten, ihrem Einkauf und der Produktion unterstützt. Das zögerliche und zurückhaltende Vorgehen der EU sei bei der monopolähnlichen Marktsituation des Impfstoffs völlig falsch gewesen, sagte Kerkhoff. "Wenn du sechs Lieferanten hast, die austauschbar sind, laden die dich zum Golfspielen ein. Wenn du einen Monopolisten hast, ist es klug, ihn zum Golfspielen einzuladen."

Statt Beschaffungsprozesse und Vergaberichtlinien rechtlich zu prüfen und anzupassen, greife der Staat immer wieder in die Grundrechte der Bürger ein, kritisierte Kerkhoff. Angesichts der dramatischen Auswirkungen des andauernden Lockdowns auf Wirtschaft und Gesellschaft fordert der Berater mehr Transparenz und persönlichen Einsatz von verantwortlichen Politikern. Er plädiert dafür, die Beschaffung künftig professionell und zentral zu organisieren: "Aus meiner Sicht muss es ein Beschaffungsminister sein, der in der Priorisierung, was für diesen Staat am wichtigsten ist, die Themen abarbeitet wie ein Einkaufschef."

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Quelle: ntv.de

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