Wirtschaft

Trump fordert China heraus Was hat der designierte Weltbank-Chef vor?

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David Malpass (l.) wird aller Voraussicht nach neuer Chef der Weltbank.

(Foto: REUTERS)

Ein Trump-Getreuer soll nach dem Willen des US-Präsidenten die Weltbank führen. Das dürfte vor allem China nicht gefallen. Doch verhindern kann Peking die Personalie nicht.

Donald Trump will dafür sorgen, dass die Weltbank von einem Kritiker der Weltbank geführt wird. Mit David Malpass nominiert der US-Präsident für den Chefposten einen Kandidaten, der für ihn entscheidende Qualifikationen mitbringt: Malpass ist ein Trump-Getreuer und - wie der US-Präsident - kein Freund von multilateralen Institutionen. Außerdem hat der 62-Jährige kein Problem damit, China herauszufordern.

Die Nominierung von Malpass ist ein deutliches Zeichen dafür, dass sich die US-Regierung bei der Kreditvergabe der Weltbank einmischen will - und das durch einen Mann, der die Institution als zu groß und zu ineffizient bezeichnet. Aus Sicht von Malpass tut die Weltbank außerdem zu wenig, um auch Industrieländer zu fördern, und konzentriert sich zu stark auf Entwicklungs- und Schwellenländer.

Aufgabe der Weltbank ist vor allem, Armut zu bekämpfen. Sie vergibt dazu Kredite - ein nennenswerter Teil davon geht etwa nach Indien und nach China. Die Kreditvergabe an China stößt bei Malpass auf kein Verständnis. Er argumentiert, dass China inzwischen wohlhabend genug sei und keine Unterstützung der Weltbank brauche. Zudem wirft er der zweitgrößten Volkswirtschaft der Erde vor, sich zu stark abzuschotten.

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Malpass befindet sich bereits auf Konfrontationskurs zu Peking: Er ist im US-Finanzministerium als Staatssekretär für internationale Angelegenheiten zuständig und deshalb stark im Handelsstreit zwischen den USA und China involviert.

Früh in Trumps Lager gewechselt

Traditionell stellen die USA den Chef der Weltbank, während ein Europäer den Internationalen Währungsfonds leitet. Zurzeit ist das die Französin Christine Lagarde. Die Neubesetzung des Chefpostens bei der Weltbank war nötig geworden, nachdem der bisherige Chef Jim Yong Kim überraschend seinen Rücktritt zum 1. Februar angekündigt hatte.

Die USA haben zwar nicht offiziell das Recht, den Präsidenten der Weltbank zu ernennen. In der Vergangenheit haben sie es aber immer getan. Die endgültige Entscheidung trifft der Verwaltungsrat der Institution. Die USA haben die meisten Stimmrechte eines Landes bei der Weltbank, rund 16 Prozent. Die Länder der Europäischen Union kommen gemeinsam auf 26 Prozent.

Sollte Malpass an die Spitze der Weltbank rücken, kann das auch als Belohnung für Loyalität verstanden werden. Er hatte Trump schon früh im Wahlkampf als ökonomischer Berater unterstützt und nach dessen Wahlsieg den Führungsposten im Finanzministerium bekommen. Malpass befürwortet die von Trump und den Republikanern durchgesetzten Steuersenkungen und Deregulierungen.

Malpass hat durchaus Erfahrung sowohl in der Politik als auch in der Finanzbranche. Er war bereits stellvertretender Staatssekretär - im Finanzministerium unter Ronald Reagan und im Außenministerium unter George H. W. Bush. Später war er bis zu ihrem Notverkauf im Zuge der Finanzkrise Chefökonom bei der Wall-Street-Bank Bear Stearns. Danach gründete er eine Investment-Beratungsfirma.

"Keine Panik"

Mit seinen Prognosen lag Malpass gelegentlich kräftig daneben. Exemplarisch ist ein Beitrag im "Wall Street Journal", den er im August 2007 als Mitarbeiter von Bear Stearns schrieb. Malpass sah kurz vor dem Höhepunkt der Finanzkrise keinen Grund zur Panik. "Der Immobilien- und der Kreditmarkt spielen keine besonders große Rolle in der US-Wirtschaft oder bei der Schaffung von Arbeitsplätzen", schrieb er damals. "Es sieht ganz danach aus, dass die Wirtschaft derzeit robust ist und in den kommenden Monaten, wahrscheinlich sogar Jahren, solide wachsen wird." Kurz darauf brach Lehman Brothers zusammen, die US-Wirtschaft stürzte in eine tiefe Rezession.

Sollte sich Trump durchsetzen, würde Malpass eine Schlüssel-Position bekommen und großen Einfluss auf die weltweite wirtschaftliche Entwicklung nehmen können.

Im Fokus wird dabei auch China stehen. Es ist allerdings unwahrscheinlich, dass er sich sofort nach seinem Amtsantritt mit Peking anlegen wird. Fest steht aber, dass er einen völlig anderen Ansatz hat als sein Vorgänger Kim, der von Barack Obama nominiert worden war. Kim hatte dem von der Kommunistischen Partei ausgelösten "brachialen Wachstum" zugutegehalten, hunderte Millionen Chinesen aus der Armut geholt zu haben. Malpass sieht in der Wirtschaftspolitik Pekings dagegen vor allem unfaire Methoden, um auf Kosten anderer zu wachsen.

Trotz aller Vorbehalte gilt es als unwahrscheinlich, dass Malpass nicht an die Spitze der Weltbank rückt. Kaum eine Regierung wird wegen dieser Personalie einen Streit mit Trump anzetteln wollen. Es sieht ganz danach aus, als würde Trumps Wahl resignierend zur Kenntnis genommen.

Quelle: n-tv.de

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