Wirtschaft

Keine Zeitungsartikel platziertWissenschaftler weist Vorwurf des Uber-Lobbyings zurück

12.07.2022, 02:46 Uhr
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Wirtschaftsprofessor Justus Haucap weist den Vorwurf, er habe im Auftrag Ubers Zeitungsartikel platziert, zurück. (Foto: picture-alliance / SCHROEWIG/RD)

Der deutsche Wirtschaftsprofessor Justus Haucap weist den Vorwurf zurück, er habe gegen Bezahlung im Auftrag des Fahrdienstleisters Uber, Artikel in Zeitungen platziert. Er habe lediglich für zwei Institute eine Studie im Auftrag Ubers verfasst. Haucap gibt sich jedoch auch selbstkritisch.

Der frühere Vorsitzende der Monopolkommission, Justus Haucap, hat Vorwürfe zurückgewiesen, er habe im Auftrag des globalen Taxidienstleisters Uber Zeitungsartikel platziert und dafür Geld kassiert. "Ich habe zu keiner Zeit einen von Uber beauftragten Zeitungsartikel in irgendeinem Medium veröffentlicht", sagte der Wirtschaftsprofessor der "Rheinischen Post". Das Investigativnetzwerk von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" hatte die Vorwürfe angeblich aus Unterlagen des US-Konzerns ermittelt, die den Journalisten zugespielt wurden. Danach hätte sich Haucap im Rahmen einer bezahlten Studie für Uber über die Auswirkung der Digitalisierung im Taximarkt zur Veröffentlichung solcher Artikel vertraglich verpflichtet.

Der Düsseldorfer Professor gab indes zu, dass er Autor einer Studie gewesen sei, die der US-Konzern bei den beiden privatrechtlichen Forschungsinstituten DICE Consult GmbH und DIW Econ GmbH bestellt habe. Haucap ist Partner der DICE Consult. Die Arbeit, die laut Mitarbeiter dieser Institute unabhängig und "letztlich ergebnisoffen" durchgeführt wurde, erschien im Jahr 2015. Der Wirtschaftswissenschaftler räumte lediglich ein, für den Auftraggeber einen Newsletter, aber keinen Zeitungsartikel, erstellt zu haben. "Was mit diesem Newsletter dann geschehen ist, kann ich heute leider nicht mehr ermitteln", fügte der Professor hinzu. Im Vertrag mit Uber sei lediglich vereinbart worden, die Ergebnisse auch presseöffentlich zu publizieren.

Das Reporterteam von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" legt in seinem Artikel nahe, dass ein Gastbeitrag Haucaps in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" ("FAZ") am 6. Dezember 2014 im Zusammenhang mit dem Auftrag des Fahrdienstanbieters stand. Das weist Haucap zurück: "Der Zeitungsartikel war kein Auftrag der Firma Uber, sondern ergab sich als Quintessenz eines Gutachtens der Monopolkommission zum Taximarkt. Der Artikel in der "FAZ" erschien vor dem Vertragsabschluss mit Uber." Der sei am 19. Dezember 2014 unterzeichnet worden.

Informant: "Uber verstößt gegen das Gesetz"

In der Uber-Studie ging es laut Haucap darum, die Ergebnisse des Gutachtens der Monopolkommission zu quantifizieren, also in konkrete Zahlen zu fassen. "Die Idee, dass Uber versucht hat, sich eine Meinung zu kaufen, ist grundfalsch", beteuert der Ökonom. Er würde allerdings nicht mehr in einem zeitlich so engen Zusammenhang einen solchen Artikel schreiben.

Derweil hat sich, laut Nachrichtenagentur AFP, der Lobbyist Mark MacGann als Informant zu erkennen gegeben. MacGann, der von 2014 bis 2016 die Lobbyarbeit für die Vermittlungsplattform in Europa, Afrika und im Nahen Osten leitete, gab sich gegenüber der Zeitung "The Guardian" am Montag als derjenige zu erkennen, der ihr die belastenden Dokumente über das US-Unternehmen zur Verfügung gestellt habe.

Demnach entschied er sich zu diesem Schritt, weil Uber "in Dutzenden Ländern gegen das Gesetz verstößt" und die Menschen "getäuscht hat". Die Dokumente, über die mehrere europäische Medien berichteten, enthüllen die aggressive Lobby-Kampagne von Uber bei dessen Streben auf den europäischen Markt.

Quelle: ntv.de, als/AFP