Dramatische Lage im GastgewerbeZahl der Firmenpleiten erreicht "weiteren traurigen Rekord"

Im April haben so viele Unternehmen Insolvenz angemeldet wie seit mehr als einem Jahrzehnt nicht. Alle Wirtschaftsbereiche sind betroffen, besonders hart trifft es den Dienstleistungssektor. Ein Ende der Pleitenwelle scheint nicht in Sicht.
Die Zahl der Firmenpleiten hat auch im April zugenommen: Die Amtsgerichte registrierten 2276 Unternehmensinsolvenzen, das waren 7,1 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. Dies sei der höchste Stand seit 14 Jahren und "ein weiterer trauriger Rekord", erklärte die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK).
Die Berichte der Unternehmen verheißen demnach "auch für die kommenden Monate eine für viele Betriebe dramatische Lage". Jedes fünfte Unternehmen kämpfe mittlerweile mit Liquiditätsengpässen. Bei kleinen und mittleren Betrieben mit bis zu 20 Beschäftigten seien es sogar 23 Prozent.
Forderung nach spürbaren Entlastungen
"Dramatisch" sei die Situation im Gastgewerbe, erklärte DIHK-Mittelstandsexperte Marc Evers. Dort sehe sich fast jedes zehnte Unternehmen von einer Insolvenz bedroht. Die Daten aus der aktuellen DIHK-Konjunkturumfrage bei mehr als 23.000 Unternehmen zeigten, "wie ernst die Lage inzwischen geworden ist".
Evers bekräftigte die Forderung der DIHK nach spürbaren Entlastungen bei den Kosten für Arbeit und Energie. Nötig seien zudem ein konsequenter Bürokratieabbau sowie schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren.
Drei Branchen besonders betroffen
In den Monaten Januar bis April wurden laut Statistik 8551 Unternehmensinsolvenzen registriert, eine Zunahme um 6,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Am häufigsten waren Insolvenzen demnach in den Branchen Verkehr und Lagerei, im Gast- und im Baugewerbe.
Die Forderungen der Gläubiger aus diesen 8.551 Fällen beliefen sich laut Statistik auf rund 13,9 Milliarden Euro - deutlich weniger als ein Jahr zuvor mit 22,5 Milliarden Euro. Dem Statistischen Bundesamt zufolge liegt das daran, dass in den ersten vier Monaten 2025 mehr Großunternehmen Insolvenz beantragt hatten.
Auch die Verbraucherinsolvenzen nahmen in den vier Monaten zu. Gemeldet wurden 26.167 Verbraucherinsolvenzen, 5,1 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.