Wirtschaft

"Ein ganzer Parcours an Hindernissen" Zweifel an Milliardenklage gegen Porsche

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Der Zivilprozess ist nur eine Klage in einer ganzen Klageserie rund um den Übernahmeversuch Porsche-Volkswagen.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Es geht um viel Geld und ist doch nur der Aufgalopp zu einer wahren Prozessserie: In Stuttgart wird die Klage mehrerer Hedgefonds gegen Porsche im Zusammenhang mit dem Übernahmekampf um Volkswagen behandelt. Die Richterin ist skeptisch.

Mit ihrer Milliardenklage gegen Porsche wegen des Übernahmepokers um Volkswagen vor sechs Jahren sind die klagenden Hedgefonds in Beweisnot. Die vorsitzende Richterin am Landgericht Stuttgart meldete am ersten Verhandlungstag des mit Spannung erwarteten Prozesses deutliche Zweifel an den Argumenten der Kläger an. "Wir sehen erhebliche Prozessrisiken für die Kläger", sagte Richterin Carola Wittig. Es gebe in der Klage diverse Problemfelder - so etwa, der Porsche-Holding den Vorsatz einer Schädigung nachzuweisen. "Das ist ein ganzer Parcours an Hindernissen, den es zu springen gilt."

Die rund zwei Dutzend amerikanischen Hedgefonds, darunter Branchengrößen wie Glenhill Capital und Viking, fordern von der Porsche-Holding 1,36 Milliarden Euro Schadenersatz. Porsche soll sie getäuscht haben, weil der Sportwagenbauer im Frühjahr 2008 die Übernahme des viel größeren Wolfsburger Konzerns plante, dies aber bis Ende Oktober abstritt.

Von Kursexplosionen und Leerverkäufen

Die Fonds hätten wegen der Dementis Kurswetten auf sinkende VW-Aktien abgeschlossen, argumentieren deren Anwälte. Sie hatten sich VW-Aktien geliehen und diese verkauft - mit dem Ziel, sie später billiger zurückzukaufen und die Differenz als Gewinn einzustreichen. Mit der Ankündigung Porsches am 26. Oktober 2008, eine Mehrheit von 75 Prozent an VW anzustreben, schnellte der VW-Kurs aber zeitweise auf mehr als 1000 Euro in die Höhe. Die Fonds mussten die Papiere extrem viel teurer kaufen, um ihre Leerverkäufe zu decken.

Richterin Wittig erklärte, nicht nur der Vorsatz einer Täuschung sei schwierig nachzuweisen. Auch sei nicht eindeutig, dass die Hedgefonds ihre Leerverkäufe wegen der Dementis abschlossen. Einige hätten schon vor der ersten und einzigen schriftlichen Erklärung, keine Beherrschung mit 75 Prozent anzustreben, Anfang März 2008 die Derivate abgeschlossen, andere erst Monate später.

Eine Pressemitteilung könne nach Auffassung des Gerichts eine Haftung wahrscheinlich nicht begründen. Zu prüfen wäre noch genauer, ob dies auch für Telefonate von Porsche-Vertretern mit Hedgefonds, in denen die Übernahmeabsicht ebenfalls bestritten wurde, gilt.

Erster Zivilprozess in Klageserie

Ein Porsche-Anwalt wies alle Vorwürfe erneut zurück: "Das ist pure Spekulation und keine Darlegung eines Sachverhalts." Den Übernahmeplan habe es im Frühjahr 2008 noch nicht gegeben. Er forderte, die Fonds müssten alle einzeln nachweisen, dass Porsche sie zu einer fehlerhaften Anlageentscheidung verleitet habe.

Der Zivilprozess ist der erste große in einer Klageserie von insgesamt rund 100 institutionellen und privaten Investoren an bundesweit inzwischen vier Gerichten. Die Anwälte von Glenhill und den anderen klagenden Hedgefonds erklärten, es sei klar, dass die Übernahme schon im Februar geplant gewesen sei und verschleiert werden sollte. Sie beantragten, den Ausgang der noch nicht einmal vom Landgericht angenommenen Klage der Staatsanwaltschaft gegen die beiden ehemaligen Porsche-Manager Wendelin Wiedeking und Holger Härter wegen Marktmanipulation abzuwarten. Die Richterin will das erneut prüfen, erklärte aber bereits, der Schadensersatzprozess müsse deshalb nicht ausgesetzt werden. Das im Strafrecht relevante Wertpapierhandelsgesetz sei hier nicht relevant. Nächster Gerichtstermin ist am 17. März - dann könnte ein Urteil gesprochen oder weiter verhandelt werden.

Quelle: ntv.de, bad/rts