Wirtschaft

Geheimer Geldtransport nach NikosiaZypern-Banken erwarten Ansturm

28.03.2013, 10:15 Uhr
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Noch rührt sich nichts: Eine Filiale der Laiki-Bank in Nikosia. (Foto: REUTERS)

In den Straßen patrouillieren bewaffnete Polizisten, vor den Schaltern stehen Sparer schon Schlange: Nach einer zweiwöchigen Zwangspause öffnen heute auf Zypern die Banken wieder. Um einen Sturm auf die Kreditinstitute zu verhindern, schafft die EZB in einer geheimen Nacht-und-Nebel-Aktion Milliarden druckfrische Euro auf die von der Pleite bedrohte Mittelmeerinsel.

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Nächtliche Lieferungaktion unter strengen Sicherheitsvorkehrungen: Was befindet sich in den Containern? (Foto: AP)

Wenige Stunden vor der Öffnung der Banken auf Zypern herrscht in der Hauptstadt Nikosia gespannte Ruhe. Polizeistreifen zeigten in der Innenstadt Präsenz und fuhren von Bank zu Bank. Vor einzelnen Filialen standen bereits vor allem ältere Kunden, um auf die Öffnung zu warten.

In allen Radio- und Fernsehsendern riefen Sprecher von Behörden und Institutionen zur Besonnenheit auf. "Ruhe bewahren. Nicht in die Banken strömen. Was man heute nicht erledigen muss, kann man auch morgen machen", teilte die Zentralbank Zyperns mit. Bei der Öffnung der Banken von 12.00 Uhr Ortszeit (11.00 Uhr MEZ) an wollen die Sicherheitskräfte Chaos und Kriminalität verhindern. Bis 18.00 Uhr könnten die Kunden Geld vom Konto abheben - allerdings mit gravierenden Einschränkungen.

Pro Person und Konto dürfen die Zyprer maximal 300 Euro pro Tag abheben. Daueraufträge für die Zahlung von Löhnen über das Online-Bankingsystem werden wieder erlaubt. Auslandsüberweisungen und Zahlungen mit Kreditkarten im Ausland pro Person und Bank sind zunächst auf 5000 Euro pro Monat beschränkt. Für Überweisungen bis zu 200.000 Euro ist eine Genehmigung der Zentralbank notwendig. Pro Auslandsreise dürfen die Zyprer maximal 1000 Euro Bargeld mit sich führen. Festgeldanlagen dürfen nicht vorzeitig gekündigt werden.

Seit dem 16. März konnten sich die Menschen im griechischen Teil der Insel nur noch aus Geldautomaten mit Bargeld versorgen. Mit den Vorgaben wollen die Behörden verhindern, dass verschreckte Bankkunden ihr Geld massenhaft ins Ausland schaffen, um es vor der angekündigten Zwangsabgabe auf Bankguthaben zu retten, die die zyprische Regierung als Teil des EU-Rettungspakets für die Mittelmeerinsel angekündigt hatte. Die Regeln sollen zunächst für vier Tage gelten. Die EU-Kommission bezeichnete die Maßnahmen in Zypern als berechtigt. Sie sollten jedoch nicht zu lange in Kraft bleiben, hieß es in einer Erklärung.

EZB transportiert Milliarden nach Nikosia

Der Chef des weltgrößten Anleihenhändlers Pimco, Mohamed al-Erian, befürchtet dennoch einen Massenansturm auf die Banken in Zypern und anderen Euro-Staaten. "Sobald ein Sturm auf die Banken erst einmal begonnen hat, macht es für alle Sinn, mitzumachen. Deshalb lässt er sich so schwer stoppen", sagte Al-Erian der "Bild"-Zeitung.

Die Europäische Zentralbank (EZB) will bei der Öffnung der Banken offenbar nichts riskieren. Unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen waren in der Nacht Lastwagen mit frischen Bargeldbeständen auf den Hof der Zentralbank in Nikosia gerollt. Ein Hubschrauber kreiste über dem Gebäude, während bewaffnete Polizisten vor dem Gebäude patrouillierten. Die griechische Zeitung "Kathimerini" berichtete, der Transport habe ein Volumen von fünf Mrd. Euro gehabt, ein Vielfaches der Geldmenge, die Zyperns Wirtschaft normalerweise braucht.

Auch die Polizei will bei dem erwarteten Ansturm Kriminalität und Chaos verhindern. Die Sicherheitskräfte seien vor der Öffnung der Banken in Bereitschaft, sagte der zyprische Polizeisprecher Andreas Angelides. "Wir haben alle nötigen Maßnahmen getroffen, damit die Leute geschützt werden. Wir fordern alle Leute auf, auch selbst aufmerksamer zu sein, wenn sie die Bank verlassen", sagte Angelides. Ein Sprecher des Genossenschaftsbanken rief die Menschen am Abend zur Ruhe auf: "Ich sage den Leuten: Keine Panik, keine Panik. Jeder wird das bekommen, was ihm zusteht."

Keine Gefahr für deutsche Sparer

Die deutschen Privatbanken sehen von Zypern keine Ansteckungsgefahren für deutsche Sparer ausgehen. Auf der Mittelmeerinsel werde aber "schon mehr los sein als sonst", sagte der Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes BdB, Michael Kemmer. Man werde wohl Schlangen von Menschen vor den Instituten sehen. Die Börse in Zypern bleibt trotz Öffnung der Banken geschlossen. Bis zum 1. April werde nicht gehandelt, teilte der Börsenbetreiber mit.

Der zyprische Finanzminister Ioannis Kasoulides warf Europa vor, Zypern in die Bredouille gebracht zu haben. "Europa gibt vor uns zu helfen. Doch der Preis ist zu hoch: Es bedeutet nichts weniger als die brutale Zerstörung unserer Geschäftsmodells", sagte er der französischen Zeitung "Les Echos". Der Bankensektor Zyperns ist mit einem Verhältnis von Bilanzsumme zur Wirtschaftsleistung von acht zu eins doppelt so groß wie der EU-Durchschnitt. Er soll nun gesundschrumpfen.

Quelle: ntv.de, hvg/rts/dpa