Der Börsen-Tag

Der Börsen-Tag Analyst: Lira-Crash ist gerechtfertigt 

22.03.2021, 08:27 Uhr

Die Entlassung nach noch nicht einmal fünf Monaten im Amt zeigt für Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann, dass in der Türkei keine Geldpolitik möglich ist, die halbwegs stabilitätsorientiert ist. Insofern spiele es auch kaum eine Rolle, dass zum Nachfolger mit Sahap Kavcioglu ein Befürworter einer Niedrigzinspolitik installiert worden sei. Denn es sei sowieso klar, dass eine nachhaltig restriktive Geldpolitik die bei der derzeitigen Inflationsentwicklung nötig wäre, früher oder später von Präsident Erdogan beendet würde und dass jede andere Geldpolitik zu deutlicher Lira-Abwertung führen werde.

In der Türkei habe man nicht nur den klassischen Konflikt zwischen einer Regierung, die eher auf realwirtschaftliche Größen schaue, und einer Zentralbank, die vorwiegend auf die Inflationsentwicklung achte, so Leuchtmann; Angesichts der realwirtschaftlichen Gefahren weiterer inflationsgetriebener Lira-Schwäche liege solch ein Zielkonflikt dort nicht vor. Hier gehe es um etwas anderes, nämlich dass der Präsident in völliger Verdrehung von Ursache und Wirkung eine nicht zielführende geldpolitische Strategie wolle.

Aus fundamentaler Sicht sei damit eine weitgehende Rückkehr zu den November-Niveaus der Lira gerechtfertigt. Auch wenn sich die Lira von den Tiefs um 8,50 je Dollar etwas erhole, stehe zu befürchten, dass noch mehr Lira-Abwertung drohe.

Quelle: ntv.de