Der Börsen-Tag"April erweist sich als Korrekturmonat"
An den Börsen dürfte es in der neuen Woche wechselhaft bleiben. "Sowohl die Unsicherheit über den Leitzinskurs der Fed als auch geopolitische Entwicklungen und damit die Befürchtung, dass deutlich steigende Ölpreise die Inflationsraten wieder befeuern könnten, veranlassen viele Anleger vorerst zu vorsichtigerem Agieren", sagt Carsten Mumm, Chefvolkswirt bei der Privatbank Donner & Reuschel. In der alten Woche verlor der DAX insgesamt etwa ein Prozent. Am Freitag schloss er mit 17.737 Punkten allein 0,6 Prozent leichter. An der Wall Street tendierten die Kurse uneinheitlich, vor allem der Tech-Sektor verbuchte Abgaben.
Für Verunsicherung sorgten Berichte über einen Angriff Israels auf den Iran. Die Islamische Republik hatte Staatsmedien zufolge in der Nacht zu Freitag im Zentrum des Landes einen Luftangriff abgewehrt und drei Drohnen abgeschossen. Auch die Ungewissheit über den Zinspfad der Notenbanken dies- und jenseits des Atlantik treibt Investoren weiter um. "Der April erweist sich in diesem Jahr offensichtlich als Korrekturmonat", sagt Helaba-Strategin Claudia Windt. "Dahinschmelzende US-Zinssenkungsfantasien und geopolitische Störfeuer treffen auf eine anfällige US-Leitbörse."
Neue Konjunkturdaten werden zeigen, ob sich der Trend mit einer schwächelnden Wirtschaft in Europa und überraschend starken Daten in den USA fortsetzt. Am Mittwoch warten Anleger auf das Konjunkturbarometer des IFO-Instituts für April. Im März hatte sich die Stimmung in der deutschen Wirtschaft kräftig aufgehellt und war so gut wie seit Mitte 2023 nicht mehr. Die Wirtschaft ist derzeit wegen sinkender Investitionen und einer Flaute am Bau im Konjunkturtal. Doch gibt die für Juni erwartete Zinswende der EZB den Führungskräften Hoffnung auf eine konjunkturelle Besserung.
Am Donnerstag folgt die Prognose der Konsumforscher der GFK für die deutsche Verbraucherstimmung im Mai. Das Barometer für das Konsumklima war im April zwar den zweiten Monat in Folge gestiegen. Die Erholung kommt jedoch nur langsam voran. Verunsichert von geopolitischen Krisen halten die Konsumenten laut den Nürnberger Konsumforschern in der anhaltenden Konjunkturflaute ihr Geld zusammen.
Im Fokus in der neuen Woche steht auch die Geldpolitik in Asien. Chinas Zentralbank berät über den geldpolitischen Schlüsselzins - die sogenannte Loan Prime Rate (LPR) - am Montag. Japans Notenbank tagt dagegen zum Wochenschluss. Sie hatte die Zinsen im März erstmals seit 17 Jahren angehoben.
Die Bilanzsaison nimmt indes weiter Fahrt auf. In Deutschland warten Anleger zum Wochenauftakt auf den Bericht des DAX-Schwergewichts SAP für das erste Quartal. Weitere Wochentermine finden Sie hier.