Der Börsen-TagBietet der Euro unter 1,19 Dollar Kaufgelegenheit?
Die Aussicht auf einen Wachstumsschub in den USA ermuntert Anleger zum Kauf der Weltleitwährung. Dies hievt den Dollar auf Mehrmonatshoch von 92,195 Punkten. Im Gegenzug verbilligt sich der Euro auf 1,1877 Dollar.
Grund für die derzeitige Dollarstärke sind die rosigen Konjunkturaussichten in den USA, wie Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann mit Blick darauf feststellt, dass das Kursziel seines Hauses für den Euro von 1,19 Dollar zur Jahreshälfte jetzt schon erreicht ist. Schnelle Impfungen und ein sich schnell erholender Arbeitsmarkt seien Signale, die in diese Richtung deuteten. Bis in Europa deutliche Impffortschritte sichtbar würden, dürfte der Euro daher weiter unter Druck bleiben.
Mittelfristig gerechtfertigt wäre ein allzu starker Dollar aber nicht, schränkt der Experte ein und verweist auf Dollar-belastende Faktoren. So sei der US-Boom durch Defizite finanziert. Er verstehe zwar diejenigen, die glaubten, dieser massive fiskalische Stimulus könne die USA aus dem Zustand niedriger Inflation herauskatapultieren. Die steile US-Renditekurve sei deshalb und nur insofern ein Dollar-positives Signal, weil sie die Sicht reflektiere, dass die US-Notenbank die Zinsen überproportional zum Inflationsanstieg anheben müsse.
"Das ist aber nicht unsere Sichtweise", so Leuchtmann. Die Commerzbank-US-Volkswirte seien davon überzeugt, dass die US-Inflation nach einer kurzen Post-Lockdown-Phase wieder falle und lange unter 2 Prozent verharre, also in einem Bereich, in dem die Fed nicht einmal an eine Rückkehr zu aktiver Geldpolitik denke.
Mittel- bis langfristig orientierte Marktteilnehmer sollten sich also fragen, ob Kursniveaus deutlich unter 1,19 Dollar beim Euro nicht langsam wieder gute Kaufgelegenheiten für den Euro darstellten, so die Commerzbank-Experten.
Euro / Dollar