Der Börsen-TagBörsen hassen Risiken
Die Verluste vom Wochenauftakt hat der Dax gestern bereits wieder wettgemacht. Die Anleger scheinen sich mit dem Handelsdeal zwischen der EU und den USA und den 15 Prozent Basiszoll arrangiert zu haben. Es habe zwar Kritik aus der Wirtschaft gegeben, die große Unsicherheit sei aber damit erst einmal vom Tisch, heißt es von Marktteilnehmern dazu. Aktuell notiert der deutsche Börsenleitindex wieder knapp über der 24.200er Marke und harrt der Dinge, die da kommen mögen.
Und kommen dürfte heute so einiges. Das gilt sowohl für die Konjunktur- als auch die Unternehmensseite. So dürfte etwa die US-Notenbank Fed - trotz ständiger Rufe des US-Präsidenten nach Zinssenkungen - die geldpolitischen Zügel nicht lockern. Für den anstehenden Zinsentscheid stellen sich Experten darauf ein, dass der Schlüsselsatz im Bereich von 4,25 bis 4,50 Prozent bleiben wird. Die Fed hat ihn dieses Jahr noch nicht angetastet. Zugleich sehen sich die von politischen Weisungen unabhängigen Währungshüter seit dem Amtsantritt von Donald Trump immer wieder mit Forderungen nach kräftigen Senkungen konfrontiert. Die Notenbank will zunächst abwarten, wie sich die Zollpolitik auf Inflation und Arbeitsmarkt auswirkt.
Gleichzeitig sollte sich die US-Wirtschaft im zweiten Quartal nach einer Talfahrt zu Jahresbeginn mit einem kräftigen Wachstum zurückmelden. In einer Reuters-Umfrage unter Volkswirten wurde ein Plus beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) von aufs Jahr hochgerechnet 2,4 Prozent veranschlagt. Von Januar bis März hatte es ein Minus von 0,5 Prozent gegeben. Der BIP-Rückgang im ersten Quartal war hauptsächlich auf höhere Einfuhren und weniger Ausgaben der Regierung zurückzuführen. Viele Importeure hatten die Zeit vor dem von US-Präsident Donald Trump im April ausgelösten Zollgewitter genutzt, um Waren in die Vereinigten Staaten einzuführen.
Hierzulande droht nach einem starken Jahresauftakt der deutschen Wirtschaft ein Rückschlag. Ökonomen erwarten für das zweite Quartal ein Schrumpfen der Wirtschaftsleistung um 0,1 Prozent. Zu Jahresbeginn hatte es ein Plus beim Bruttoinlandsprodukt von 0,4 Prozent gegeben. Industrieproduktion und Exporte waren in Erwartung höherer Zölle im ersten Quartal deutlich gestiegen. Nach diesem sogenannten Vorzieheffekt dürfte sich die hohe Aktivität laut Bundesbank im Vergleich zum Vorquartal nun etwas normalisiert haben.
Unternehmensseitig blicken Anleger auf den US-Techsektor und die deutsche Autobranche: So trifft der US-Importzoll für Autos den Sportwagenbauer Porsche hart. Die Stuttgarter sind für ihr US-Geschäft vollständig auf Einfuhren aus Europa angewiesen. Weil die Preise zunächst nicht erhöht wurden, führte das im abgelaufenen Quartal zu einer Belastung von mehreren Hundert Millionen Euro. Dazu kommt das Debakel in China, wo die Immobilienkrise wohlhabenden Kunden den Kauf eines neuen Verbrenner-Sportwagens verleidet und Porsche zudem bislang keine Antwort darauf gefunden hat, dass es keinen Markt für Luxus-Elektroautos gibt. Im abgelaufenen Quartal brach der Gewinn um rund 90 Prozent auf 240 Millionen Euro ein.
Auch bei Mercedes-Benz hinterließen die US-Importzölle Bremsspuren in der Quartalsbilanz. Analysten erwarten einen Rückgang des Betriebsgewinns um fast 50 Prozent auf zwei Milliarden Euro. Der Autobauer hatte wegen der unklaren Lage im US-Zollstreit im Frühjahr die Jahresprognose gekippt. Da für die EU bei Importen in die USA nun ein Zollsatz von 15 statt zuletzt 27,5 Prozent gilt, kann neu kalkuliert werden.
Von den nach US-Börsenschluss erscheinenden Zahlen des Softwarekonzerns Microsoft und der Facebook-Mutter Meta erhoffen sich Börsianer weitere Hinweise darauf, ob sich die milliardenschweren Investitionen in Künstliche Intelligenz (KI) auszahlen. Im vorangegangenen Quartal hatten die beiden Konzerne mit ihren Bilanzen positiv überrascht. Die wachsenden Ausgaben für neue Rechenzentren dämpften jedoch die Freude darüber.