Der Börsen-Tag

Der Börsen-Tag"Bruch mit Fed-Unabhängigkeit noch nicht eingepreist"

27.08.2025, 07:49 Uhr

Mit einem verhaltenen Geschäft rechnen Händler an Europas Börsen. Die Vorgaben von der Wall Street seien leicht positiv, übergeordnet werde jedoch gewartet auf die Zahlen von Nvidia am Abend. Die Börsen wollen sehen, ob der Ausgabenrausch der Großkunden andauert. Jedes Nachlassen des Momentums bei den Investitionen würde am Markt Zweifel an der hohen Aktienbewertung aufkommen lassen. Stützend im KI-Sektor wirken aber neuerliche Gerüchte über ein Kaufinteresse von Apple an Perplexity. Gesucht waren in New York die Sektoren Finanz und Industrie, im Minus schlossen die defensiven Branchen wie Immobilien und Haushaltsgüter.

In Asien ist die Stimmung überwiegend gut. Nicht ganz klar ist am Markt, wie die Industriegewinne aus China interpretiert werden sollen. Sie fielen zwar zum Vorjahr um 1,5 Prozent, was aber einen nachlassenden Abwärtsdruck andeutet. Überraschend schwache Zahlen zum ersten Halbjahr sind vom chinesischen E-Autohersteller BAIC Motors gekommen. Sie zeigen das wettbewerbsintensive Umfeld in China und könnten auch deutsche Autoaktien belasten, heißt es.

Diskutiert wird an allen Finanzmärkten weiter über die Attacken von US-Präsident Trump gegen Fed-Mitglieder wie Lisa Cook. Einig sind sich Marktteilnehmer, dass Trump keine rechtliche Handhabe dazu habe. Cook könne weiter zur Arbeit gehen. Belastend wäre aber die Benennung eines Trump-hörigen Nachfolgers, da der die Richtung der künftigen Fed-Politik andeuten würde.

Die Märkte haben noch nicht richtig eingepreist, was immer stärker wie ein Bruch mit der Unabhängigkeit der Fed aussieht", kommentieren Analysten von Evercore ISI dazu. Marktstratege Robert Savage von BNY sieht in Trump Vorgehen "einen historischen Test der Präsidenten-Macht". Ein Verlust der Glaubwürdigkeit hinsichtlich der Unabhängigkeit der Fed stelle ein langfristiges Risiko für US-Anleihen und den US-Dollar dar, sagte er. Marktteilnehmer merken an, dann müssten höhere Risikoaufschläge für Inflationsrisiken verlangt werden. Die Renditen von 10- bis 30-jährigen Bonds würden unweigerlich steigen, und damit auch die Hypotheken-Kosten für US-Hauskäufer. Trump würde damit genau wie bei seiner Zollpolitik das Gegenteil seiner angeblichen Ziele erreichen. Aktuell bewegen sich 10-jährige US-Renditen weiter seitwärts um 4,27 Prozent.

Quelle: ntv.de