Der Börsen-TagCrash oder Erholung: Das wird für den DAX wichtig
Die Krise in Nahost, Konjunktursorgen und der ungewisse Zinspfad der großen Notenbanken - der Weg bis zum Jahresende könnte für den DAX holprig bleiben. Anleger fürchten, dass die blutigen Kämpfe zwischen radikal-islamischer Hamas und Israel einen Flächenbrand in der Region verursachen könnten. Ein weiterer Belastungsfaktor für die Börsen ist der im Zuge des Konflikts stark gestiegene Ölpreis, der die Inflations- und Rezessionsrisiken erhöht. Spekulationen auf ein verknapptes Angebot hatten den Preis für die Nordseesorte Brent auf Wochensicht um mehr als fünf Prozent in die Höhe getrieben.
Der Dax hat in der Vorwoche trotz allem lange ein leichtes Plus vorweisen können. Allerdings gab er im Freitagsgeschäft fast 240 Punkte nach, schloss 1,6 Prozent schwächer bei einem Stand von 15.187 Zählern und damit auf Wochensicht doch noch mit leichten Abschlägen. Charttechnisch müsse der deutsche Leitindex den Widerstandsbereich bei 15.400 Punkten nachhaltig überwinden, damit der Weg in Richtung 15.600 Punkte frei werde, sagt IG-Investmentexperte Salah-Eddine Bouhmidi. Seit Monatsbeginn hat sich der Dax in Summe kaum voranbewegt, nachdem er im September 2,4 Prozent verloren hatte. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von rund zehn Prozent.
Trotz aller negativer Einflüsse seien starke Kursrücksetzer zunächst unwahrscheinlich, solange sich die Unternehmensgewinne weiterhin überraschend robust entwickelten, sagt Commerzbank-Stratege Andreas Hürkamp. Mit Spannung dürfte deswegen die an Fahrt gewinnende Berichtssaison verfolgt werden. Aus den USA lassen sich die Großbanken wie Goldman Sachs (Dienstag) oder Morgan Stanley (Mittwoch) in die Bilanzen schauen. In Deutschland stehen SAP und Deutsche Börse (beide Mittwoch) mit ihren Quartalsberichten an.
"Die Berichtssaison hat das Potenzial, über die Börsenrichtung der kommenden Wochen zu bestimmen", fasst Portfoliomanager Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners zusammen. "Im Extremfall kann diese Berichtssaison sogar darüber entscheiden, ob wir demnächst eine Weihnachtsrally an den Börsen sehen oder nicht."
Zum Wochenstart spielt die Berichtssaison aber noch keine Rolle. Stattdessen blicken die Anleger etwa auf die deutschen Großhandelspreise am Morgen oder den Empire State Manufacturing Index aus den USA am Nachmittag.