Der Börsen-Tag

Der Börsen-TagDAX-Allzeithoch oder Rutsch unter die 16.000?

24.07.2023, 06:30 Uhr

Die Zinsentscheidungen der großen Zentralbanken und eine Flut von Unternehmensbilanzen könnten die Dax-Anleger in der neuen Woche aus der Reserve locken. Zuletzt hatten sich die Investoren eher verhalten gezeigt. Am Freitag hatte der DAX zwar fester mit 16.177 Punkten geschlossen, das Wochenplus hielt sich aber im minimalen Bereich auf. Dennoch: Gelinge dem Dax der nachhaltige Sprung über die 16.200, sei die nächste Anlaufstelle das Allzeithoch von 16.427,42 Zählern, sagt Jürgen Molnar, Kapitalmarktstratege Robomarkets. "Darüber wäre der Weg dann frei für eine Sommer-Rally, an die so richtig keiner glauben will."

Denn noch plagen die Investoren viele Sorgen. Groß ist vor allem die Angst, dass die US-Notenbank Fed und die Europäische Zentralbank (EZB) mit ihrem Zinserhöhungsmarathon der Wirtschaft dies- und jenseits des Atlantiks einen nachhaltigen Schaden zugefügt haben könnten. "Die globale Industriekonjunktur ist aktuell angeschlagen", resümiert Gertrud Traud, Chefvolkswirtin der Helaba. "Ob wir bereits nahe dem Tiefpunkt sind oder ein weiteres Abtauchen bevorsteht, bleibt offen." Die Datenlage sei durchwachsen und regional unterschiedlich.

Experten und Investoren rechneten fest damit, dass die Fed auf ihrer Sitzung am Mittwoch die Zinsen im Kampf gegen die Inflation noch einmal um einen viertel Prozentpunkt auf die neue Spanne von 5,25 bis 5,50 Prozent anziehen wird. Im Juni hatten die Währungshüter nach zehn Zinserhöhungen in Folge eine Pause eingelegt. Der abnehmende Inflationsdruck in den USA sorgte zuletzt dafür, dass viele Anleger auf ein baldiges Erreichen des Zinsgipfels in den Vereinigten Staaten wetteten. In einer Reuters Umfrage erwarteten nur 19 von 106 Volkswirten, dass nach Juli noch ein weiterer Schritt nach oben folgen wird. Die US-Währungshüter hatten in ihrem Ausblick Mitte Juni allerdings signalisiert, dass sie noch bis zu zwei Anhebungen um jeweils einen viertel Prozentpunkt für dieses Jahr ins Auge fassen.

Auch im Euroraum stellen sich die Marktteilnehmer darauf ein, dass die EZB am Donnerstag noch einmal an der Zinsschraube drehen wird. Experten rechnen mit einer Erhöhung des Einlagensatzes um einen viertel Prozentpunkt auf 3,75 Prozent. EZB-Präsidentin Christine Lagarde hatte zuletzt angemerkt, dass die Notenbank auf ihrem Straffungskurs noch eine Wegstrecke zu gehen habe. Ulrike Kastens, Volkswirtin Europa von der DWS, geht davon aus, dass auch im September die Leitzinsen angehoben werden dürften, "da sich unserer Meinung nach aber weder der Arbeitsmarkt noch der unterliegende Preistrend signifikant abschwächen werden".

In dieser Handelswoche nimmt auch die Berichtssaison Fahrt auf: Heute öffnen etwa Ryanair oder Vodafone ihre Bücher. Zudem gibt es Einkaufsmanagerdaten zum verarbeitenden Gewerbe - etwa aus Deutschland, der EU und den USA.