Der Börsen-Tag

Der Börsen-TagDAX-Anleger im Finanzkrisenmodus

17.06.2024, 06:30 Uhr

Mit Aktienkäufen im großen Stil dürften sich die DAX-Anleger in dieser Woche schwer tun. Aus Sicht vieler Börsianer könnte vor allem die ungewisse politische Lage in Frankreich erst einmal für Zurückhaltung sorgen. "Aktuell ist die Chance für eine erfolgreiche Vorrunde der deutschen Fußball-Nationalmannschaft höher als für einen positiven Stimmungsumschwung an der Frankfurter Börse", meint Experte Jürgen Molnar vom Broker Robomarkets.

In der abgelaufenen Woche hat der DAX rund drei Prozent verloren. Am Freitag war er zeitweise bis auf 17.951 Punkte abgerutscht, konnte sich aber mit 18.002 Zählern knapp über der 18.000er-Marke ins Wochenende retten.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte nach der Europa-Wahl überraschend Neuwahlen angeordnet, nachdem sein Bündnis von dem euroskeptischen und rechtspopulistischen Rassemblement National (RN) klar geschlagen wurde. Anleger fürchten, dass Frankreich bei einem Wahlsieg des RN von Marine Le Pen in eine Staatsschuldenkrise schlittern könnte. Die Partei fordert etwa eine Herabsetzung des Renteneintrittsalters und eine protektionistische Wirtschaftspolitik á la Ex-US-Präsident Donald Trump nach dem Motto "Frankreich zuerst". "Größere Reform- und Sparanstrengungen dürften dann ausbleiben", sagt Helaba-Strategin Claudia Windt.

In den vergangenen Tagen zogen die Renditen der französischen Staatsbonds bereits deutlich an. "Macrons Kalkül scheint zu sein, dass er entweder eine Koalition bilden kann, um Le Pen zu stoppen und so sein Mandat zu bekräftigen sowie den Schwung der Rassemblement National aufzuhalten", sagt Mark Dowding, Chefanleger beim Vermögensverwalter BlueBay. Oder er hoffe, dass die Partei im Falle eines Sieges ihre Amtszeit verpfusche und so Le Pens Präsidentschaftskandidatur im Jahr 2027 vereitelt werde. "Dies hat jedoch etwas von einem Glücksspiel. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob sich dieser Schritt auszahlt."

Neben dem politischen Beben in Frankreich dürfte auch der neu entflammte Handelskonflikt der Europäischen Union mit China die Kauflaune vieler Investoren bremsen. Trotz Warnungen der deutschen Autoindustrie hatte die EU-Kommission angekündigt, dass sie ab Juli bestimmte Elektroauto-Einfuhren aus China mit Sonderzöllen belegen könnte. Bis Anfang Juli soll nun verhandelt werden, ob die Maßnahmen noch abgewendet werden können. China hatte mit Gegenmaßnahmen gedroht.

Nach der Zinswende der Europäischen Zentralbank blicken Anleger in dieser Woche auf die finalen Daten zu den Verbraucherpreisen im Euroraum für Mai. In vorläufigen Zahlen war eine Teuerungsrate von 2,6 Prozent ermittelt worden, nach einer Rate von 2,4 Prozent im April. Damit hat die Jahresteuerung in diesem Jahr erstmals angezogen. Die EZB will sich auf dem weiteren geldpolitischen Pfad von den Daten leiten lassen.

Auch das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) fühlt in dieser Woche den Börsianern den Puls. Die Belebung der Weltwirtschaft hatte die Börsenprofis im Mai so optimistisch für die deutsche Konjunktur gestimmt, wie seit über zwei Jahren nicht mehr. Die aktuelle Umfrage unter Analysten und Anlegern wird zeigen, ob sich nach der EZB-Zinssenkung im Juni die Stimmung weiter verbessert hat.

Beide Termine stehen am Dienstag auf der Agenda. Der Wochenstart gestaltet sich terminlich gesehen eher ruhig: Aus China kommen am Morgen Daten zur Industrieproduktion. In den USA steht am Nachmittag die Veröffentlichung des Empire State Manufacturing Index an. Weitere Wochentermine finden Sie hier.

Quelle: ntv.de