Der Börsen-TagDAX hätte es schlimmer treffen können
Im Minus gestartet, mit einem Abschlag geschlossen: Der DAX büßt weiter an Boden ein, notiert im Tief sogar unter der Marke von 15.600 Punkten, verliert am Ende 0,4 Prozent und schließt mit 15.654 Zählern. Erst am Nachmittag erholen sich die Kurse wieder etwas. Zwar ist die US-Inflationsrate gestiegen - wie erwartet um 0,6 Prozent gegenüber dem Vormonat. Im Kern fiel der Anstieg mit 0,3 Prozent zwar niedriger aus, allerdings höher als die erwarteten 0,2 Prozent. Offenbar glauben die Marktakteure dennoch nicht, dass die Abweichung groß genug ist, um an der Erwartung, dass die US-Notenbank in der kommenden Woche die Zinsen bestätigen wird, etwas zu ändern. "Die deutlich niedrigere Kerninflation könnte die Fed dazu bewegen, trotz der neuen Daten am Plan der Zinspause festzuhalten", heißt es bei QC Partners.
"Es hätte schlimmer kommen können, der DAX notierte zeitweise unter der 15.600er-Marke", kommentiert ntv-Börsenkorrespondentin Nancy Lanzendörfer. Sie verweist auf eine gewisse Erleichterung der Anleger im Zusammenhang mit den US-Verbraucherpreisdaten. "Dennoch: Der Markt bleibt in einer abwartenden Stellung vor dem EZB-Zinsentscheid am Donnerstag", erläutert sie. "Der starke Ölpreis, der sich nahe seines Zehnmonatshochs bewegt" belastet."
Auf Unternehmensseite griffen die Anleger bei den bisher schwach gelaufenen Windkraftanlagenbauern zu: Siemens Energy klettern gut zwei Prozent, Nordex ziehen als MDax-Sieger um 4,4 Prozent an. Zuvor hatte die Nachrichtenagentur Bloomberg über Pläne der EU-Kommission zur Unterstützung der angeschlagenen Branche berichtet. Zudem sollten Projekte künftig schneller genehmigt werden. Gefragt waren vor der EZB-Zinsentscheidung am Donnerstag auch die Banken: Deutsche Bank legen rund zwei Prozent zu, Commerzbank etwa ein Prozent.
Die Sportartikelhersteller gerieten dagegen unter Druck: Investoren nutzten die guten Zahlen des spanischen Textilkonzerns Inditex für Gewinnmitnahmen auch im breiteren Konsumgütersektor. Adidas rutschen nach ihrem bisher guten Lauf um gut zwei Prozent ab. Anteile am Konkurrenten Puma geben etwa eineinhalb Prozent nach.
Den Vogel schießen aber erneut HHLA-Titel ab. Nach dem Kursfeuerwerk der vergangenen Tage ziehen die Papiere zeitweise um fast die Hälfte an. Während zunächst der geplante Einstieg der Reederei MSC für Fantasie gesorgt hatte, wurde nach einem Bericht über ein Gegengebot des Logistik-Unternehmers Klaus-Michael Kühne spekuliert. Experten zufolge dürfte das aber schwierig werden. Die HHLA-Aktien haben binnen sechs Tagen ungefähr 70 Prozent gewonnen.