Der Börsen-TagDAX im Klammergriff der Politik gefangen
Der DAX hat zum Wochenstart einen Konsolidierungstag eingelegt, sein hohes Niveau dabei aber stabilisieren können. Der deutsche Börsenleitindex ging mit 17.716 Punkten 0,1 Prozent leichter aus dem Handel. In der Vorwoche hatte er Rekorde in Serie aufgestellt. Einen Angriff auf die 18.000er-Marke halten Marktexperten in dieser Woche für möglich: Sie verweisen dabei auf die am Donnerstag anstehende Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB), wobei keine Absenkung erwartet wird, wohl aber Hinweise auf einen Zeitpunkt.
Anleger sollten heute abseits der laufenden Berichtssaison und anstehender Konjunkturdaten auch die Politik im Auge behalten - aus drei Gründen: Im US-Präsidentschaftsrennen steht mit dem "Super Tuesday" der bislang wichtigste Höhepunkt in diesem Jahr an. In mehr als einem Dutzend Bundesstaaten werden parteiinterne Vorwahlen abgehalten, so viele wie an keinem anderen einzigen Tag. Demokraten und Republikaner entscheiden dabei, wen sie als Kandidaten für die eigentliche Wahl im November aufstellen. Präsident Joe Biden ist bei den Demokraten faktisch gesetzt. Bei den Republikanern heißt der haushohe Favorit Donald Trump. Von bislang neun Abstimmungen hat der Ex-Präsident alle bis auf eine mit großem Abstand gewonnen. Seine Kontrahentin Nikki Haley steht massiv unter Druck, den Weg freizumachen für eine Wiederauflage des Duells von 2020: Biden gegen Trump. Erste Ergebnisse des "Super Tuesdays" werden aufgrund der Zeitverschiebung hierzulande in der Nacht zum Mittwoch erwartet.
In China beginnt der Nationale Volkskongress - die jährliche Parlamentssitzung des kommunistisch regierten Staates. Der voriges Jahr ins Amt gekommene Ministerpräsident Li Qiang wird vor den Abgeordneten voraussichtlich moderate Maßnahmen zum Ankurbeln des Wirtschaftsmotors ankündigen, der nicht mehr so hochtourig läuft wie vor der Corona-Krise. Dennoch dürfte es 2024 wie bereits im Vorjahr auf ein Wachstumsziel von rund fünf Prozent hinauslaufen, mit dem die von Präsident Xi Jinping angestrebte Modernisierung der von einer Immobilienkrise gebeutelten Volkswirtschaft vorangetrieben werden soll.
In Deutschland will die Bundesregierung mit einem zweiten Rentenpaket eine Aktienrente einführen und bis Ende der 30er-Jahre ein Rentenniveau von mindestens 48 Prozent eines Durchschnittslohns garantieren. Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) und Finanzminister Christian Lindner (FDP) wollen dazu Details vorstellen. Für das sogenannte Generationenkapital will die Regierung in diesem Jahr in einem ersten Schritt 12,5 Milliarden Euro Schulden aufnehmen, um das Geld am Kapitalmarkt anzulegen. Der Kapitalstock soll über die Jahre wachsen. Die Renditen sollen ab Mitte der 30er-Jahre den Beitragsanstieg in der gesetzlichen Rentenversicherung dämpfen.
Unternehmensseitig rücken zwei Werte heute in den Vordergrund. Zum einen will der seit einem Dreivierteljahr amtierende Bayer-Chef Bill Anderson Investoren auf seinem ersten Kapitalmarkttag seine Pläne für die Zukunft von Bayer darlegen. Das Leverkusener Unternehmen veröffentlicht zudem seine Bilanz für 2023. Analysten erwarten im Schnitt einen Rückgang des bereinigten operativen Gewinns (Ebitda) auf 10,957 Milliarden Euro von 13,5 Milliarden im Jahr zuvor.
Zum anderen ruhen die Blicke auf Lufthansa, denn für die Kranich-Airline könnte es knapp werden, was die Rückkehr in den deutschen Leitindex DAX angeht. Denn der erste Abstiegskandidat, der Online-Modehändler Zalando, hat im Februar an der Börse etwas Boden gutgemacht, so dass er der Fluggesellschaft möglicherweise doch nicht weichen muss. Die Deutsche Börse entscheidet am Dienstagabend über die künftige Zusammensetzung des Dax sowie der untergeordneten Indizes, MDax, SDax und TecDax. Weitere Wochentermine finden Sie hier.