Der Börsen-TagDas große Zittern
Der Iran-Krieg und die Preisrally an den Ölmärkten werden das alles beherrschende Thema an den Börsen bleiben. Dax-Anleger müssen sich weiterhin auf ein schlagzeilengetriebenes Hin und Her einstellen. Das bis zum 7. April um 02.00 Uhr (MESZ) verlängerte Ultimatum der USA an den Iran zieht die Ungewissheit in die Länge. Mit jedem Tag, der verstreicht, verschlechtert sich Börsianern zufolge die Stimmung: Immer mehr Strategen gehen mittlerweile davon aus, dass die Kriegshandlungen sich hinziehen werden und ergo die deutsche Konjunktur stärker darunter leiden wird als anfangs erhofft. "Kurzfristig machen sich die gestiegenen Energiepreise vor allem an den Tanksäulen bemerkbar. Infolge höherer Transport- und Vorleistungskosten dürfte jedoch mittelfristig die ganze Breite an Gütern betroffen sein", sagt Helaba-Experte Samuel Will.
Schon in der alten Woche stand der Dax im Bann der Ölpreise, die je nach Nachrichtenlage aus dem Nahen Osten entweder stark ins Plus oder stark ins Minus drifteten. In der Summe verlor der Leitindex in der Vorwoche rund ein halbes Prozent. Am Freitag verabschiedete er sich mit einem Stand von 22.301 Zählern ins Wochenende.
Seit Monatsbeginn hat der Dax aber rund zehn Prozent eingebüßt. Die Dax-Korrektur dürfte sich zunächst fortsetzen, sagen die Strategen der Commerzbank. Angriffe auf die Energieinfrastruktur im Persischen Golf und widersprüchliche Aussagen zu möglichen Verhandlungen und Feuerpausen zehrten an den Nerven der Investoren. Von Panik sei aber noch nichts zu spüren, wohl aber schürten die hohen Energiepreise die Inflationsängste, sagt Will. In der neuen Woche, die wegen der Feiertagspause am Karfreitag auf vier Tage verkürzt ist, werden deswegen anstehende Preisdaten genau beäugt werden. Die Marktstrategen der DZ Bank verabschiedeten sich generell von der Annahme einer kurzfristigen Deeskalation und gehen nun davon aus, dass die USA die Kampfhandlungen zwar beenden, aber die Spannungen im Nahen Osten dennoch anhalten.
Der seit vier Wochen andauernde Krieg der USA und Israel gegen den Iran hat die Öl- und Gaspreise in die Höhe getrieben. Der Iran hat die Straße von Hormus weitgehend geschlossen: Über die Meerenge wird ein Fünftel des globalen Ölverbrauchs transportiert. Das sorgt für Knappheiten, weshalb die Preise gestiegen sind. Zuletzt sanken die Ölpreise wieder, nachdem US-Präsident Donald Trump die angedrohten Angriffe auf Energieanlagen im Iran nach eigenen Angaben für weitere zehn Tage ausgesetzt hat. Doch teils zerstörte Öl- und Gasproduktionsstätten im Persischen Golf dürften die Versorgungslage über eine längere Zeit gefährden und Experten zufolge die Ölpreise hoch halten. An den Terminmärkten steigen die Wetten darauf, dass der Ölpreis bis April auf mindestens 150 Dollar je Fass steigen könnte. Die Analysten der DZ Bank Research rechnen auf Drei-Monatssicht mit einem Ölpreis in Höhe von 90 Dollar. Die erhöhten Rohstoffkosten und gestörten Lieferketten sorgen in der Folge für eine anziehende Inflation, was wiederum Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank wahrscheinlicher macht, sagen die Experten.
Zum heutigen Wochenstart dürfte mit den Inflationsdaten ein weiterer Dämpfer kommen: Denn der Krieg lässt die deutschen Verbraucherpreise nach Prognose von Ökonomen so schnell steigen wie seit dreieinhalb Jahren nicht mehr. Waren und Dienstleistungen dürften sich im März um durchschnittlich 1,1 Prozent im Vergleich zum Vormonat verteuern. Das wäre der größte monatliche Zuwachs seit September 2022, als nach der russischen Invasion in der Ukraine viele Rohstoffe teurer wurden. Morgen folgen die Inflationsdaten für die Euro-Zone.
Die komplette Wirtschaftsterminübersicht für diese Woche finden Sie hier.