Der Börsen-TagDer DAX und die "Mutter aller Energie-Krisen"
Sommerlaune? Die dürfte an den Börsen in der letzten vollen August-Woche Strategen zufolge nicht mehr aufkommen. Mit Blick auf die dunklen Wolken am Konjunkturhimmel könnte sich der DAX noch weiter von der psychologisch wichtigen Marke von 14.000 Punkten entfernen. Bereits in der alten Woche kochten die Inflations- und Rezessionssorgen wieder hoch und brockten dem deutschen Börsenleitindex einen Wochenverlust von mehr als anderthalb Prozent ein. Am Freitag schloss der DAX mit einem Abschlag von 1,1 Prozent bei einem Stand von 13.545 Zählern. Aktuell wird er erneut leicht tiefer taxiert mit Kursen um 13.520 Stellen.
Zurzeit erlebten die Anleger "die Mutter aller Energiekrisen", sagt Dirk Schumacher, Ökonom bei der Investmentbank Natixis. Die Gaspreise seien seit der Drosselung der russischen Lieferungen im Juli explodiert und Marktteilnehmer rechneten damit, dass das bis 2023 bestehen bleibe. "Es kann kaum Zweifel geben, dass das Niveau der Gas- und Strompreise, wenn es anhält, der Wirtschaft des Euroraums, insbesondere dem Industriesektor, schweren Schaden zufügen wird." Die staatlichen Hilfen, unter anderem eine reduzierte Mehrwertsteuer auf Gas, könnten den Einkommensschock für Unternehmen und Haushalte nur teilweise auffangen. "Sicher scheint, dass die Gesamtinflation aufgrund der Energiepreise weiter steigen wird", sagt Schumacher.
Gegen die weltweit steigende Teuerung stemmen sich die Notenbank mit einer Straffung ihrer Geldpolitik. Auf dem Notenbanker-Treffen in den USA in Jackson Hole könnte deutlich werden, was den Börsen in dieser Hinsicht im Herbst noch blühen könnte. Vertreter der US-Notenbank Fed zeigten sich zuletzt einig, dass weitere Zinserhöhungen angemessen sind.
Nach Jackson Hole richten die Anleger ihre Blicke aber erst ab Donnerstag, dann beginnt das Treffen der Notenbanker. Heute lässt es die Terminlage dagegen erst einmal ruhig angehen. Das Tageshighlight steht bereits um 8.00 Uhr hierzulande an - der Frühindikator Außenhandel zu Exporten in Nicht-EU-Staaten. Am Mittag folgt der Monatsbericht der Bundesbank, am Nachmittag dann aus den USA noch der Chicago Fed National Activity Index. Bundeskanzler Olaf Scholz und Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck setzen zudem ihre Kanada-Reise fort. Nach US-Börsenschluss öffnet dann der Corona-Krisengewinnler Zoom seine Geschäftsbücher.