Der Börsen-Tag"Die Rally steht auf stabilerem Fundament"
Die Diskussion um das Tempo der erwarteten US-Zinssenkungen wird Aktienanleger nach Einschätzung von Experten auch in der neuen Woche beschäftigen. "Es ist so gut wie beschlossen, dass die Fed den Leitzins im September senken wird", sagt Naeem Aslam, Chef-Anleger des Vermögensverwalters Zaye. Im Anschluss daran werde die US-Notenbank wohl vorsichtig agieren und von Zinssitzung zu Zinssitzung entscheiden. Dies lasse sich aus den jüngsten Fed-Protokollen und Notenbanker-Aussagen herauslesen.
Gestützt auf positive Vorgaben der Wall Street erwarten Experten eine fortgesetzte Erholung der europäischen Börsen. Es sei ein positives Zeichen, dass nach dem Kursrutsch von Anfang August US-Werte aus vielen unterschiedlichen Branchen gekauft würden, erläutert Jochen Stanzl, Chef-Marktanalyst des Online-Brokers CMC Markets. "Vor der Korrektur waren es oft nur die 'Glorreichen Sieben', die stiegen. Die Rally steht damit auf einem stabileren Fundament als die monatelange Hausse zuvor." Als "Glorreiche Sieben" bezeichnen Börsianer die sieben größten US-Technologiewerte, zu denen der Chip-Hersteller Nvidia, der Software-Konzern Microsoft und der iPhone-Anbieter Apple gehören.
In der abgelaufenen Woche legte der DAX insgesamt rund 1,5 Prozent zu und lag zuletzt etwa 260 Punkte unter seinem Rekordhoch von 18.892,92 Zählern. In den 14 Handelstagen seit dem Kursrutsch von Anfang August beendete der deutsche Leitindex lediglich einen davon mit einem Minus.
Bei den Konjunkturdaten richten Börsianer ihre Aufmerksamkeit auf die Zahlen zu den US-Konsumausgaben am Freitag. Analysten erwarten für Juli ein Plus von 0,5 Prozent nach einem Anstieg von 0,3 Prozent im Vormonat. Die Kauflaune der Verbraucher gilt als Hauptstütze der weltgrößten Volkswirtschaft. Außerdem ist die Preiskomponente dieses Barometers ein wichtiger Indikator für die Geldpolitik der Fed. Er rechne mit einem Plus von 0,1 Prozent zum Vormonat, sagt Commerzbank-Analyst Vincent Stamer. "Auf Jahresrate hochgerechnet läge der Preisdruck damit erneut unter zwei Prozent. Damit deutet die Inflation klar in Richtung Zinssenkungen, beginnend bei der nächsten Sitzung im September."
Die am Freitag anstehenden Daten zur Teuerung in der Eurozone würden ebenfalls auf nachlassenden Preisdruck hindeuten und den Weg für eine Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) im September ebnen, fügt Stamer hinzu. "Allerdings dürfte die Inflation bis zum Ende des Jahres wieder steigen, um sich bei etwa 2,5 Prozent und damit über dem EZB-Ziel einzupendeln." Eröffnet wird der Konjunkturdaten-Reigen der neuen Woche heute aber vom Ifo-Index.
Auf Unternehmensseite veröffentlichen in dieser Woche einige Nachzügler ihre Geschäftszahlen. Hierzu gehören etwa der Essenslieferdienst Delivery Hero und die Optiker-Kette Fielmann. Aus dem Ausland öffnet unter anderem der Chip-Konzern Nvidia seine Bücher. Die komplette Terminübersicht für diese Woche finden Sie hier.