Der Börsen-Tag

Der Börsen-TagDollarstärke ziemlich "ausgelutscht"

18.05.2022, 15:44 Uhr

Dass die neuesten Aussagen von US-Notenbankchef Jerome Powell am Dienstag am Devisenmarkt fast vollständig verpufften, erklärt Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann damit, dass die Dollarstärke "bereits ziemlich ausgelutscht" sei. Der Euro sei hingegen so billig, dass ihm scheinbare Kleinigkeiten schon sichtbar hülfen. Zumindest dann, wenn der Markt nicht seine konjunkturpessimistische Brille aufhabe, die den Euro zuletzt unter 1,04 Dollar habe abrutschen lassen. Aktuell geht er mit 1,0513 Dollar um.

Laut Powell werde die Fed so lange ihren Leitzins erhöhen, bis "klare und überzeugende" Evidenz dafür bestehe, dass die Inflation auf dem Rückzug sei. Glaube man Powell, müsse man annehmen, dass die Fed auch bei realwirtschaftlichen Bremsspuren weitermache. Leuchtmann merkt aber auch an, dass ein Leitzins über dem "neutralen Niveau", wozu die Fed laut Powell zur Not bereit sei, kein falkenhaftes Signal sei, angesichts einer Inflation über 8 Prozent.

"Neutraler Zins" sei der Zinssatz, bei dem die Fed-Politik weder expansiv noch restriktiv wirke. Falls die Inflation nicht von ganz alleine wieder sinke, müsse demnach klar sein, dass die Fed-Politik auf "restriktiv" umschwenken müsste. Doch scheine sich Powell solch ein Szenario nicht vorstellen zu können und das mache nervös, weil sich Marktteilnehmer das sehr wohl vorstellen könnten. Und käme es so, wäre die Frage, ob die Fed schnell genug lernfähig wäre. Deshalb seien Powells Bemerkungen auf den zweiten Blick nicht dazu geeignet, dem Dollar neuen Schwung zu verleihen.

Euro / Dollar o