Der Börsen-Tag

Der Börsen-Tag Erdogan sieht feindliche Mächte am Werk

31.08.2018, 13:25 Uhr
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(Foto: AP)

Wenn Venezuelas Präsident Nicolás Maduro oder sein türkischer Bruder im Geiste, Recep Tayyip Erdogan, finstere ausländische Mächte für die wirtschaftlichen Probleme ihrer Länder verantwortlich machen, frage ich mich: Denken die Herren das tatsächlich, oder wissen sie ganz genau, was für einen Unsinn sie erzählen?

Egal. Der türkische Präsident Erdogan hat in einer Ansprache vor Soldaten noch einmal klargemacht, wie sie den Absturz der türkischen Währung einzuordnen haben: Es handele sich um einen gezielten Angriff auf die Lira. "Man muss kein Genie sein, um zu erkennen, wer hinter dem Wechselkurs steckt. Das liegt auf der Hand." Damit meint Erdogan offenbar die USA und Spekulanten an den Finanzmärkten.

Hier könnte man einwenden, dass die Krise hausgemacht ist. Falls von Interesse: Ich habe die Gründe für die Krise in der Türkei hier zusammengetragen.

Erdogan sieht das bekanntlich anders. Die Schwankungen würden vorbeigehen, versichert er. Die Regierung in Ankara tue das, was nötig sei. Erhöht die Zentralbank die Zinsen? Natürlich nicht.

Eine Maßnahme ist, die Steuern auf Guthaben in ausländischer Währung anzuheben und gleichzeitig jene auf Lira-Einlagen zu senken. Der Schritt soll das Sparen in lokaler Währung erleichtern. Nun ja, bei einem Absturz der Lira und einer Inflation von knapp 16 Prozent ist das Sparen in Lira nicht besonders attraktiv.

Am Devisenmarkt stieß die Maßnahme auf wenig Begeisterung. Die Lira machte zunächst einen Kurssprung zum Dollar von nahezu 4 Prozent, gab diese Gewinne aber schnell wieder ab.