Der Börsen-TagEx-Fed-Chef Powell warnt
Der frühere Chef der US-Notenbank (Fed), Jerome Powell, hat vor einer Politisierung der Zentralbank gewarnt. In seiner ersten öffentlichen Rede seit dem Ende seiner Amtszeit als Fed-Vorsitzender sagte Powell, demokratische Institutionen wie die Notenbank, Gerichte und Universitäten seien derzeit einem Stresstest ausgesetzt. Wenn eine Regierung einen Weg finde, Fed-Vertreter wegen politischer Differenzen zu entlassen, würden künftige Regierungen dies ebenfalls tun, sagte Powell bei der Verleihung des "John F. Kennedy Profile in Courage"-Preises. Die Öffentlichkeit würde dann das Vertrauen verlieren, dass die Notenbank ihre Entscheidungen ausschließlich im besten Interesse aller US-Bürger treffe. Er äußerte sich in seiner Rede nicht zur aktuellen Geldpolitik oder den wirtschaftlichen Aussichten.
Powells achtjährige Amtszeit als Fed-Chef war am 15. Mai zu Ende gegangen. Sein Nachfolger Kevin Warsh wurde am 22. Mai vereidigt. Powell entschied sich jedoch, weiterhin als Mitglied des Fed-Gouverneursrats im Amt zu bleiben. Er begründete diesen Schritt unter anderem mit anhaltenden Bedrohungen für die Unabhängigkeit der Fed. Die Entscheidung verhindert zugleich, dass US-Präsident Donald Trump vorerst ein weiteres Mitglied in das Gremium berufen kann. Trump hatte in der Vergangenheit versucht, Fed-Gouverneurin Lisa Cook zu entlassen, Powells Rücktritt gefordert und strafrechtliche Ermittlungen gegen ihn eingeleitet. Die Struktur der Fed soll sicherstellen, dass geldpolitische Entscheidungen frei von politischen Erwägungen getroffen werden.