Der Börsen-Tag

Der Börsen-TagExperten: Italien steuert langsam auf einen Unfall zu

22.07.2022, 13:16 Uhr

Italiens steuert nach Einschätzung von Berenberg-Chefvolkswirt Holger Schmieding langsam auf einen Unfall zu. Drei große Probleme trüben laut Schmieding die Aussichten: Erstens eine Trendrate des realen Wirtschaftswachstums von bestenfalls 0,5 Prozent pro Jahr, zweitens eine ungünstige Demografie aufgrund einer durchschnittlichen Geburtenrate von nur 1,3 Kindern pro Frau in den vergangenen 30 Jahren und drittens eine Vorliebe für politische Theatralik. "Infolgedessen ist die langfristige Tragfähigkeit der italienischen Staatsverschuldung von fast 150 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) alles andere als gesichert", befindet Schmieding.

Dennoch ist das Risiko, dass sich der potenzielle Unfall bald ereignet, nach seiner Einschätzung gering. "Vorerst müssen wir uns nur auf Störgeräusche einstellen, aber nicht auf eine echte Eurokrise 2.0." Neuwahlen könnten laut Schmieding Giorgia Meloni an der Spitze einer Mitte-Rechts-Koalition 2022 oder im Frühjahr 2023 ins Amt der Ministerpräsidentin bringen. Sie stamme aus einer Partei (Fratelli d'Italia) mit neofaschistischen Wurzeln, habe wiederholt die EU für Italiens Probleme verantwortlich gemacht und sich für einen "Italien zuerst"-Ansatz eingesetzt. "Die Märkte machen sich zu Recht Sorgen über ihre Agenda."

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