Der Börsen-Tag

Der Börsen-TagFrankreich prüft Steuer auf Aktienrückkäufe

30.09.2024, 08:59 Uhr

Frankreichs neuer Premierminister Michel Barnier erwägt offenbar eine vorübergehende Erhöhung der Körperschaftssteuer für die größten Unternehmen des Landes sowie eine Steuer auf Aktienrückkäufe. Mit den Einnahmen solle ein klaffendes Loch in den öffentlichen Finanzen gestopft werden, berichtet die Zeitung "Le Monde". Barnier, der sein Amt Anfang des Monats angetreten hat, sieht sich bereits mit einer wachsenden Haushaltskrise konfrontiert, da die Steuereinnahmen schwächer als erwartet und die Ausgaben höher als geplant sind. Frankreichs Glaubwürdigkeit bei den Finanzmärkten, wo seine Kreditkosten in die Höhe geschnellt sind, und bei seinen Partnern in der Europäischen Union steht auf dem Spiel.

Laut Zeitung könnte der Haushalt 2025 eine Erhöhung der Körperschaftssteuer um 8,5 Prozentpunkte für Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mindestens einer Milliarde Euro vorsehen. Die Steuer wäre befristet und könnte im Jahr 2025 rund acht Milliarden Euro einbringen. Weitere mögliche Maßnahmen wären eine Steuer auf Aktienrückkäufe. Barnier muss den Haushaltsentwurf für 2025 in wenigen Tagen fertigstellen und ihn spätestens Mitte Oktober den Abgeordneten vorlegen.

Frankreichs Gesamtverschuldung liegt bei fast 3,2 Billionen Euro oder 110 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Das Haushaltsdefizit des öffentlichen Sektors steuert auf 6,2 Prozent der Wirtschaftsleistung im kommenden Jahr zu. Damit verstößt Frankreich nicht nur gegen EU-Regeln, sondern wird von Rating-Agenturen auch im Hinblick auf seine Kreditwürdigkeit beäugt. Bei einer Verschlechterung der Bonität müsste das Land tendenziell höhere Zinsen für seine Staatsanleihen zahlen.