Der Börsen-TagGas-Krise drückt Euro erstmals seit 2002 unter Dollar-Parität
Die drohende Gas-Krise und die hohe Inflation haben den Euro erstmals seit 2002 wieder kurzzeitig unter die Parität zum Dollar gedrückt. Im Tief rutschte er bis auf 0,999995 Dollar ab. Die Gemeinschaftswährung liegt aktuell mit 1,0022 Dollar nur knapp über der Parität. Zu Jahresbeginn hatte die Gemeinschaftswährung noch bei 1,1370 Dollar notiert.
Der Rutsch unter die Parität hatte sich bereits in den vergangenen Tagen angekündigt. Neben den sei längerem herrschenden Lieferkettenproblemen und der hohen Inflation ist es vor allem die drohende Gas-Krise, die den Euro belastet. Ein vollständiger Stopp der russischen Gaslieferungen nach Europa würde wahrscheinlich zu einer Rezession in der Eurozone führen und den Euro um weitere 10 Prozent fallen lassen, so Analyst Kit Juckes von der Societe Generale. Selbst das beste Szenario - eine Fortsetzung des Status Quo - würde die Märkte nervös machen und dürfte den Euro allenfalls leicht stützen, erwartet Juckes.
Commerzbank-Devisenanalyst Ulrich Leuchtmann sieht die Inflationserwartungen in Europa deutlich anziehen. Mit Gaspreisen in schwindelerregender Höhe wachse die Gefahr, dass zum bisherigen Inflationsschock ein weiterer hinzukomme. Man brauche nicht lange spekulieren, ob das für den Euro positiv oder negativ wäre. Die Europäische Zentralbank (EZB) könnte in einer Gas-Krise nur das nötigste an Inflationsbekämpfung durchführen: Gerade so viel, um eine Spirale aus Euro-Abwertung und Inflationsbeschleunigung zu verhindern. Manche mögen laut Leuchtmann sogar befürchten, dass ihr selbst das nicht gelingt. Daher neige der Euro zu Schwäche.
Die starken Verluste des Euro könnten die EZB dazu ermutigen, die Zinssätze bei ihrer nächsten Sitzung am 21. Juli stärker anzuheben als angekündigt, merken die Devisen-Experten der ING an. Die EZB könnte den Leitzins um 50 anstelle der 25 Basispunkte erhöhen, die sie bei ihrer Juni-Sitzung in Aussicht gestellt habe, so Carsten Brzeski, Global Head of Macro.