Der Börsen-Tag

Der Börsen-TagIst das Bankenbeben vorüber?

20.03.2023, 06:30 Uhr

Die jüngsten Turbulenzen im Bankensektor dürften die Dax-Anleger auch in der neuen Handelswoche auf Trab halten. In den vergangenen Tagen hatten der Kollaps der kalifornischen Silicon Valley Bank (SVB) und die Krise bei der Credit Suisse die Märkte auf eine Berg- und Talfahrt geschickt. In der abgelaufenen Woche kam der DAX auf ein Minus von mehr als vier Prozent. An zwei Handelstagen allein rutschte der deutsche Börsenleitindex dabei jeweils mehr als drei Prozent ab, darauf folgten dann deutliche Erholungen, ehe es zum Wochenschluss noch einmal fast 200 Zähler oder 1,3 Prozent abwärts ging. Der DAX hatte am Freitag bei 14.768 Punkten deutlich unter der psychologisch wichtigen 15.000er-Marke geschlossen. Aktuell wird er zur heutigen Eröffnung bei Kursen um 14.900 Zähler taxiert, auch weil die angeschlagene Schweizer Großbank Credit Suisse dank einer Übernahme in ruhigeres Fahrwasser schippern dürfte.

Experten zufolge könnte sich der Abwärtstrend dennoch erst einmal fortsetzen: "In der unsicheren Gemengelage und mit der Sitzung der US-Notenbank vor der Tür ist eine nachhaltige Erholung (...) eher unwahrscheinlich", prognostiziert Jochen Stanzl, Chef-Marktanalyst beim Broker CMC Markets. Anleger rätseln, wie sich die Federal Reserve angesichts des Bebens im US-Bankensektors auf ihrer Zinssitzung am Mittwoch positionieren wird. Aktuell werde der US-Notenbank nur noch ein kleiner Zinsschritt um 25 Basispunkte zugetraut, heißt es in einem Kommentar der Commerzbank. Noch vor wenigen Tagen hatte Notenbankchef Jerome Powell das Signal ausgesendet, dass die Federal Reserve im Kampf gegen die ausufernde Inflation die Zügel womöglich stärker anziehen müsste. Nach einer geldpolitischen Straffungsserie liegt die Leitzinsspanne derzeit in den USA bei 4,50 bis 4,75 Prozent.

Die Notenbanker dies- und jenseits des Atlantiks stehen derzeit vor einem Dilemma: "Während die Kapitalmärkte auf ein Ende der Leitzinserhöhungen und eine bessere Liquiditätsversorgung hoffen, erfordert die nach wie vor viel zu hohe Inflation eine Fortsetzung des restriktiven geldpolitischen Kurses", stellen die Analysten des Finanzhauses Marcard, Stein & Co fest. Ein zu abrupter Kurswechsel in der Geldpolitik könne zudem die Sorgen an den Finanzmärkten um die Stabilität des Bankensektors weiter schüren, meinen die Experten.

Die EZB hatte sich am Donnerstag nicht beirren lassen und den Leitzins um einen halben Prozentpunkt auf 3,50 Prozent erhöht. Den weiteren Kurs im Kampf gegen die Teuerung ließen die Notenbanker allerdings offen. Geldpolitische Entscheidungen stehen in der neuen Woche ebenfalls in Großbritannien und der Schweiz an: Der britische Notenbankchef Andrew Bailey hielt sich bislang bedeckt, ob die Zinszügel nach zehn Straffungen in Folge am Donnerstag weiter angezogen werden. Die Bank of England hatte den Leitzins im Februar um einen halben Punkt auf 4,0 Prozent angehoben.

Zum Wochenauftakt schauen die Anleger vor allem auf die am Morgen anstehende Veröffentlichung der deutschen Erzeugerpreise sowie auf die Auftragsbestände der Industrie. Die EU-Handelsbilanz und der Monatsbericht der Bundesbank stehen ebenso auf der Agenda. Am Nachmittag spricht EZB-Präsidentin Christine Lagarde vor dem Wirtschafts- und Wöhrungsausschuss des Europäischen Parlaments.