Der Börsen-Tag

Der Börsen-TagLira-Anleger feiern Erdogans Sieg

25.06.2018, 11:40 Uhr
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Erdogan, (Foto: picture alliance/dpa)

Der unerwartet deutliche Sieg bei den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen in der Türkei verschafft dem neuen alten Anführer der Türkei, Recep Erdogan, auch eine dringend benötigte Verschnaufpause an den Finanzmärkten. Die lieben nämlich Sicherheit und politische Stabilität - und feiern deshalb Erdogans Wahlsieg.

"Die politische Landschaft in der Türkei scheint nach den vorgezogenen Wahlen am Sonntag unverändert zu bleiben", sagt Paul Greer, Fondsmanager für Schwellenländer beim Fondsanbieter Fidelity International. "Mit diesem Ergebnis sollten die türkischen Märkte eine kleine Erleichterungsrally genießen." Die Anleger decken sich mit Lira ein, im Gegenzug schwächt sich der Dollar um bis zu 3,1 Prozent ab auf 4,5320 Lira ab. Der Euro verliert ebenfalls drei Prozent im Verhältnis zur türkischen Währung auf 5,2797 Lira.

Erdogan hat die Entlastung am Devisenmarkt bitter nötig. Allein seit Jahresbeginn hat die Lira über 20 Prozent ihres Wertes gegenüber dem Dollar verloren. Doch die Analysten sind sich einig, dass die Atempause kaum von Dauer sein wird. Sie fürchten, dass Erdogan seine Macht nun nutzen wird, um die Unabhängigkeit der Zentralbank anzugreifen, wie er es während des Wahlkampfs angedeutet hatte. Er hatte hohe Zinsen als die Quelle allen Übels bezeichnet und angekündigt, mehr Einfluss auf die Währungspolitik nehmen zu wollen.

Sollte Erdogan jetzt eine lockerere Geld- und Fiskalpolitik starten, könne die Rally der Lira schnell im Keim erstickt werden, warnte Jason Tuvey, Volkswirt beim Researchhaus Capital Economics. "Übermäßiger Optimismus für die Landeswährung ist angesichts der weiter bestehenden wirtschaftlichen Herausforderungen unseres Erachtens derzeit nicht angezeigt", sagt auch DZ-Bank-Analyst Sören Hettler. Und auch Unicredit erkennt keine längerfristige Abkehr vom Negativtrend der türkischen Währung. Bei der Aufwertung der Lira handele es sich in erster Linie um eine Reaktion auf das Wegfallen der mit den Wahlen verbundenen politischen Ungewissheit. Der Markt sei sich indes bewusst, dass Erdogan Druck auf die türkische Notenbank ausüben werde, um vermeintlich die Wirtschaft wieder anzukurbeln.