Der Börsen-TagÖkonom: Inflation dürfte noch weiter sinken
ING-Europa-Chefvolkswirt Carsten Brzeski rechnet nach dem unerwartet deutlichen Rückgang der deutschen Inflationsrate im Dezember damit, dass sich diese Entwicklung in den nächsten Monaten tendenziell fortsetzen und die Inflationsrate unter 2 Prozent bleiben wird. "Auf kurze Sicht werden inflationsdämpfende Faktoren überwiegen, wie der stärkere Euro und günstige Basiseffekte bei der Energie", schreibt er in einem Kommentar. Hinzu kämen in- und ausländische Unternehmen, die Produkte zu Dumpingpreisen aus den USA nach Europa umleiteten. "Dieses Szenario wird auch durch den anhaltenden Rückgang der Erzeuger- und Importpreise gestützt, normalerweise ein guter Frühindikator für die Gesamtinflation", erläutert der Ökonom.
Brzeski nimmt aber zugleich an, dass langfristig die kommenden fiskalischen Impulse zu neuem Inflationsdruck führen werden, zumindest in bestimmten Sektoren. "Was das deutsche Inflationsbild etwas verkompliziert, sind jüngste politische Maßnahmen. Die Mehrwertsteuersenkung für Lebensmittelumsätze im Gastgewerbe dürfte eher die Gewinnmargen in der Branche verbessern, als die Inflation zu senken. Der jüngste Anstieg des Mindestlohns könnte unterdessen langfristigen Inflationsdruck anheizen", kalkuliert er.