Der Börsen-TagÖkonomen zur EZB-Zinspause
Nach einer Serie von sieben Zinssenkungen in Folge tut die EZB diesmal nichts. Hier Äußerungen von nach dem EZB-Zinsentscheid:
Alexander Krüger, Chefvolkswirt Hauck Aufhäuser Lampe: "Kürzer und ohne weitere Guidance sind geldpolitische Beschlüsse kaum zu formulieren. Die EZB sieht eine wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit und legt erst einmal eine Zinspause ein. Die Leitzinsen sind bereits deutlich gesunken, der Inflationsanstieg entspricht wohl noch länger dem Preisziel. Dies vor Augen deutet sich eine längere Zinspause an. Der Stempel einer expansiven Geldpolitik dürfte nur bei ernsten Konjunkturproblemen vergeben werden. Hier könnten höhere US-Zölle als zehn Prozent für ein Umdenken bei der EZB sorgen. Die mehrheitlich weniger inflationskritischen Ratsmitglieder dürften dann zinsseitige Entlastung befürworten."
Jörg Krämer, Commerzbank-Chefvolkswirt: "Der EZB-Einlagensatz liegt mit zwei Prozent bereits im unteren Bereich der Spanne, die in der langen Sicht mit dem EZB-Inflationsziel vereinbar ist. Von nun an sollte die EZB sehr zurückhaltend sein, ihre Zinsen weiter zu senken. Zwar mag die Inflation wegen der Euro-Aufwertung und der Umleitung chinesischer Exporte in den Euroraum kurzfristig noch etwas sinken. Aber längerfristig dominieren die Inflationsrisiken - wegen des schrumpfenden Anteils der Arbeitsbevölkerung, der De-Karbonisierung und der De-Globalisierung."
Michael Heise, Chefvolkswirt HQ Trust: "Solides Wachstum im ersten Halbjahr und eine Inflationsrate auf Zielniveau sprachen recht klar dafür, die Zinsen konstant zu halten und mit ruhiger Hand zu fahren. Eine Zinssenkung wäre nur durch einen deutlich negativen Ausblick auf die wirtschaftliche Entwicklung mit sehr niedrigen Inflationsraten begründbar gewesen. Auch wenn die Handelspolitik und der Zollstreit weltwirtschaftliche Risiken mit sich bringen, wäre es zum jetzigen Zeitpunkt doch spekulativ, vorbeugend die Zinsen zu senken. Ein weiterer Zinssenkungsschritt der EZB könnte im September anstehen. Bei einer Einigung im Handelsstreit mit den USA, einem Verzicht auf Gegenzölle der EU und einer tendenziellen Euro-Aufwertung dürfte die Inflation im Euroraum weiter leicht zurückgehen. Der deutliche Rückgang bei den Spar- und Einlagenzinsen der Banken dürfte weitgehend vorüber sein. Das gilt auch für die kurzfristigen Kreditzinsen für Unternehmen, die sich in den vergangenen Monaten erfreulicherweise deutlich ermäßigt haben."