Der Börsen-Tag

Der Börsen-Tag Rote Vorzeichen auch an der Wall Street

S&P 500 Index, Ind.
S&P 500 Index, Ind. 3.004,78

Die Verhaftung von Huawei-Finanzchefin Meng Wanzhou in Kanada auf Betreiben der USA dürfte auch den US-Börsen den Stempel aufdrücken. Denn die Maßnahme bedeutet aus Sicht der Marktteilnehmer einen Dämpfer für die erhoffte Annäherung im Handelsstreit zwischen USA und China.

Der Future auf den S&P-500 gab nach der Handelspause am Mittwoch zum Gedenken an den verstorbenen Ex-Präsidenten George H. W. Bush um 1,6 Prozent nach. Damit droht eine Fortsetzung der massiven Kursverluste vom Dienstag, als Dow & Co über 3 Prozent eingebüßt hatten, zusätzlich stark belastet von Konjunktursorgen.

Hintergrund dieser Sorgen war eine zunehmend inverse Zinsstruktur in den USA, bei der die Zinsen am kurzen Ende höher sind als die am langen Ende.

n-tv Börsenexperte Raimund Brichta hat sich über die US-Geldpolitik so seine Gedanken gemacht.   

Geld ist wie Zahnpasta

Versuchen Sie mal, ausgedrückte Zahnpasta zurück in die Tube zu bekommen. Sie werden vermutlich kläglich scheitern. Ähnliches versucht gerade der amerikanische Notenbankchef Jerome Powell, und auch ihm wird es nicht gelingen.

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Raimund Brichta

(Foto: n-tv)

Powells Zahnpasta ist das Geld, das die Notenbank seit der Finanzkrise in die Märkte gepumpt hat, indem sie Anleihen kaufte. Seit etwa einem Jahr holt sie dieses Geld wieder zurück. Pro Monat sind es rund 50 Milliarden Dollar. Angesichts der Billionen, die zuvor hineingepumpt wurden, wirkt das zwar vergleichsweise bescheiden. Aber es läppert sich. Und das ist das Problem.

Dazu muss man wissen, dass die Geldmenge grundsätzlich steigen muss, um das System am Leben zu erhalten. Das gilt selbst für die Zeit nach einer Übertreibung, wenn die Geldmenge gerade exorbitant zugelegt hat. Auch dann muss sie weiter steigen. Schrumpft sie, führt das zu Chaos und Pleiten und zum Einbruch der Wirtschaft. Das war zum Beispiel in der Weltwirtschaftskrise Anfang der 1930er-Jahre so. Damals ist die Geldmenge nach einer Übertreibungsphase geschrumpft. Die Folgen waren fatal.

Für die Notenbanken in aller Welt heißt das: Sie werden das Geld, das sie in den letzten Jahren in die Märkte gepumpt haben, niemals wieder einsammeln können. Es sei denn, sie wollten den wirtschaftlichen Zusammenbruch herbeiführen.

Bis auf die japanische Notenbank scheint das aber noch niemand zu verstehen. Die Japaner haben mit dem Geldpumpen schon vor einem Vierteljahrhundert begonnen, und sie haben bis heute keinen Yen davon zurückgeholt. Im Gegenteil: Sie pumpen weiter. Einen Zusammenbruch hat es deshalb bis heute nicht gegeben.

Die Amerikaner probieren das Einsammeln trotzdem, und selbst die EZB will irgendwann damit beginnen. Aber auch diese Notenbanker werden früher oder später realisieren, dass es nicht funktioniert.

Die jüngsten Turbulenzen an den Finanzmärkten könnten bereits eine Art Warnhinweis an Powell sein. Ob er beim Zähneputzen mal darüber nachdenkt?

Fragt sich Ihr

Raimund Brichta

P.S. Probieren Sie das mit der Zahnpasta doch mal und berichten mir hier darüber.

Quelle: n-tv.de