Der Börsen-Tag"Sell on good news" an China-Börsen
Uneinheitlich präsentieren sich die Börsen in Ostasien und Australien. Die Furcht vor weiter steigenden Zinsen in den USA und andernorts drängt das überraschend gut ausgefallene chinesische Wirtschaftswachstum in den Hintergrund, wie Marktteilnehmer sagen.
Die chinesische Wirtschaft wuchs nach der Aufhebung der Pandemiebeschränkungen im ersten Quartal um 4,5 Prozent zum Vorjahr, während Volkswirte das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im Schnitt auf 4,0 Prozent geschätzt hatten. An den chinesischen Börsen wird dies zunächst nicht gewürdigt. Der Composite-Index tendiert in Shanghai kaum verändert, während es in Hongkong mit dem Hang-Seng-Index um 0,7 Prozent nach unten geht. Beide Aktienmärkte hatten allerdings am Montag kräftige Gewinne verzeichnet, so dass Anleger hier wohl nach der Devise "sell on (good) news" verfahren und Kasse machen. Zudem ist die Lage auf dem heimischen Immobilienmarkt alles andere als rosig, wie der Rückgang der Investitionen dort im ersten Quartal zeigt. Das belastet die Aktien des Sektors. Country Garden Holdings verlieren in Hongkong 0,8 Prozent und Poly Real Estate in Schanghai ebenfalls 0,8 Prozent.
Derweil geht es mit dem Nikkei in Tokio um 0,5 Prozent aufwärts. In Australien sinkt der S&P/ASX-200 um 0,4 Prozent. Die guten chinesischen BIP-Daten stützen zwar den australischen Dollar, nicht aber den Aktienmarkt des Landes, das als Rohstofflieferant stark von der chinesischen Wirtschaft abhängt. An der Börse dämpft vielmehr das Sitzungsprotokoll der Reserve Bank of Australia (RBA) die Stimmung. Die RBA stellte darin klar, dass die jüngst verkündeten Zinserhöhungspause keineswegs das Ende des Zinserhöhungszyklus bedeuten müsse. Abhängig von der Datenlage könnten weitere Zinsschritte vorgenommen werden.