Der Börsen-TagSorgen und Ängste bestimmen Anlegerlaune
In der Fastnachtswoche sollten die Anleger am deutschen Aktienmarkt Strategen zufolge besonnen bleiben und auf Sicht fahren. Denn wie es mit dem KI-Hype und der Geldpolitik in den USA weitergeht, ist weiter ungewiss. Seit Wochen ringen die Finanzmärkte um eine angemessene Bewertung der Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz (KI) auf die Wirtschaft. "Die Erkenntnis, was KI alles kann, und die daraus entstehende Angst vor den Auswirkungen auf Unternehmen ziehen immer größere Kreise und scheinen vor keinem Segment des Aktienmarktes Halt zu machen", sagt Marktanalyst Jochen Stanzl von der Consorsbank. Technologieaktien gingen weltweit auf Berg- und Talfahrt und dürften das angesichts der bestehenden geld- und geopolitischen Unsicherheiten auch weiterhin tun. "Solange die Fed im Zinssenkungsmodus war, wurde die Tech-Rally getragen. Doch nach dem jüngsten positiven Arbeitsmarktbericht ist die Geldpolitik der Fed noch schwieriger einzuschätzen", fasst Helaba-Strategin Claudia Windt zusammen.
An den Terminmärkten nahmen die Wetten auf rasche Zinssenkungen der Fed angesichts der überraschend robusten Lage am US-Stellenmarkt ab. "Da der Mitte Mai scheidende FOMC-Chairman Jerome Powell aber ohnehin als Befürworter einer abwartenden Geldpolitik gilt, dürften ihm diese Zahlen durchaus gelegen gekommen sein", kommentieren die Analysten der LBBW. Die Notenbank versucht derzeit mit Zinsen auf erhöhtem Niveau die Inflation einzudämmen, ohne die Konjunktur abzuwürgen. Auf Jahressicht rechnen Investoren mit weiter fallenden Zinsen. Dafür sprach am Freitag auch, dass der Inflationsanstieg im Januar weniger stark ausfiel als erwartet. "Unter dem neuen Notenbank-Chef dürfte die Fed die Zinsen ab Juni stärker senken, als der Markt einpreist", kommentierte die Commerzbank.
Auch in der neuen Woche dürften sich die Börsen an Konjunkturdaten entlang hangeln. In der alten Woche kämpfte der Dax um die psychologisch wichtige Marke von 25.000 Punkten, die er letztendlich nicht nachhaltig überwinden konnte. Am Freitag hatte der Dax mit 24.915 Punkten geschlossen und damit auf Wochensicht etwa ein halbes Prozent höher.
Auch an den närrischen Tagen wird an der Frankfurter Börse gehandelt. Am Rosenmontag müssen die Anleger jedoch ohne US-Impulse auskommen, da die Wall Street wegen des Nationalfeiertags zum Gedenken an George Washington geschlossen bleibt. Heute beginnt auch die einwöchige Auszeit an den chinesischen Börsen zum chinesischen Neujahr, das im Zeichen des Feuer-Pferdes steht. Der Konjunkturreigen startet mit den Zahlen zur Industrieproduktion in der Eurozone im Dezember und vorläufigen Zahlen zum japanischen BIP-Wachstum im vierten Quartal.
Die komplette Wirtschaftsterminübersicht für diese Woche finden Sie hier.