Der Börsen-TagTrump als großer Party-Crasher
Für den von Rekord zu Rekord eilenden DAX könnte die Luft in der neuen Woche Strategen zufolge dünner werden. Schon in der alten Woche sah es zunächst durch die Zolldrohungen von US-Präsident Donald Trump gegen Mexiko und Kanada nach dem Ende der Börsenparty aus. Doch die Verschiebung der Maßnahmen linderte die Angst der Anleger vor einem Handelskrieg. Vom Tisch sind die Zölle damit aber nicht. Die Erleichterung der Anleger könnte sich schnell als verfrüht herausstellen, warnt Helaba-Strategin Claudia Windt. Die Erwartungen an weiter nachlassende Energiepreise und sinkende Kapitalmarktzinsen stünden auf wackligen Beinen.
Der DAX hatte seine Rekordfahrt von Ende Januar zuletzt wieder aufgenommen. Mit dem Allzeithoch von 21.945,31 Punkten am Freitag blieb er nur einen Wimpernschlag von der nächsten Tausendermarke entfernt. Auf Wochensicht tat sich aber nur wenig, denn am Freitag fuhr der deutsche Börsenleitindex noch einmal ein Minus von 0,5 Prozent ein - bei einem Schlusskurs von 21.787 Zählern. Börsianer konzentrierten sich auf robuste Firmenbilanzen und Themen wie Künstliche Intelligenz (KI) nach dem Durchbruch des kostengünstigen KI-Modells Deepseek aus China. "Es bleibt eine hoch spannende und volatile Marktphase, in der bislang schlechte Nachrichten gut verarbeitet werden und auf der anderen Seite die Unternehmen mit guten Quartalszahlen potenzielle Erholungen gut untermauern", sagt Konstantin Oldenburger, Marktanalyst bei CMC Markets.
Doch die Politik Trumps bleibt schwer planbar. Das Risiko bestehe weiter, dass es letztlich in größerem Umfang zu Zöllen komme, sagen die Strategen der Commerzbank. "Die Ereignisse der letzten Tage haben wieder einmal gezeigt, dass bei Trump mit allem zu rechnen ist. Als Konsequenz bleibt in jedem Fall eine hohe Unsicherheit für Unternehmen und Investoren."
Für Pimco-Ökonomin Tiffany Wilding ist dies lediglich der Beginn weiterer handelspolitischer Schritte der US-Regierung. "Weitere Länder mit regelmäßigen Handelsüberschüssen gegenüber den USA - wie Japan, Deutschland, Vietnam und Irland - müssen sich nun auf eine zunehmend instabile Handelsbeziehung mit den USA einstellen." Gerade die Zölle gegen Mexiko und Kanada könnten die Inflation antreiben und das Wachstum in den USA schwächen. Die US-Notenbank Fed könnte deshalb das Zinsniveau erst einmal stabil halten, bis Klarheit herrsche.
Neben neuen präsidialen Entscheidungen und Dekreten Trumps werden auch die zur Veröffentlichung anstehenden Indikatoren die Stimmung in der Berichtswoche bestimmen. Im Fokus der Investoren stehen die Daten zur US-Inflation im Januar am Mittwoch. Bei den Unternehmen nimmt die deutsche Bilanzsaison Fahrt auf. Im Terminkalender für Dienstag stehen unter anderem die Zahlen der Deutschen Börse. Zur Wochenmitte gewährt der Energietechnikkonzern Siemens Energy einen Blick in seine Bücher. Die komplette Terminübersicht für diese Woche finden Sie hier.