Der Börsen-TagTürkische Währungsturbulenzen "große Herausforderung"
Die von der überraschenden Absetzung des Notenbankchefs durch den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan ausgelöste Abwertung der Lira besorgt die deutsche Wirtschaft. "Die Schwankungen der türkischen Lira sind für die Unternehmen im Exportgeschäft eine große Herausforderung", sagt der Leiter der Außenwirtschaft beim Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), Ulrich Ackermann. Zwar hätten die Kunden des Maschinenbaus gelernt, damit umzugehen. "Auch hier gilt jedoch, dass ein Wechselkurs, der sich in ruhigen Bahnen bewegt, für Investitionen und Exporte hilfreich wäre", sagte Ackermann.
Die deutsche Wirtschaft verkaufte 2020 Waren im Wert von mehr als 21 Milliarden Euro in die Türkei, die damit Platz 16 in der Rangliste der wichtigsten Kunden einnimmt. Angesichts dieser Bedeutung hat auch die Chemieindustrie ein großes Interesse an einer wirtschaftlich stabilen Türkei. "Politisch motivierte Eingriffe in die Geldpolitik und die dadurch ausgelösten Wechselkursschwankungen bereiten den Unternehmen zunehmend Sorgen", heißt es beim Verband der Chemischen Industrie (VCI).
Die Währung sackte zum Dollar auf bis zu 8,4850 Lira von 7,2185 Lira am Freitag. Im Handelsverlauf machte sie einen Teil der Verluste wieder wett und notierte noch acht Prozent unter dem Wert von Freitag. Hintergrund für den Absturz ist die Absetzung des Notenbankchefs Naci Agbal, der noch am Donnerstag die Zinsen in der Türkei im Kampf gegen die hohe Inflation deutlich angehoben hatte. Daraufhin hatte Erdogan als erklärter Gegner hoher Zinsen den Notenbankchef am Wochenende ausgewechselt und mit Sahap Kavcioglu, einem Ex-Abgeordneten der Regierungspartei, einen erklärten Gegner einer straffen Geldpolitik auf den Posten gesetzt. Es war das dritte Mal seit Mitte 2019, dass Erdogan den Notenbankchef entließ. Agbal war erst seit knapp fünf Monaten im Amt.