Der Börsen-Tag

Der Börsen-Tag"Wir werden Kurs halten, bis die Arbeit erledigt ist"

15.12.2022, 06:26 Uhr

Nach der Federal Reserve ist vor der Europäischen Zentralbank: Der DAX, der zur Wochenmitte wieder Verluste hinnehmen musste, wird zum Start in das Donnerstagsgeschäft leichter taxiert - aktuell um Kurse im Bereich von 14.400 Zählern. Die leicht negative Stimmung ist dabei vor allem den Aussagen von US-Notenbank-Präsident Jerome Powell geschuldet.

Die US-Notenbank drosselt zwar ihr Zinserhöhungstempo, sieht sich im Kampf gegen die Inflation dennoch längst nicht am Ziel. Sie hob den Leitzins auf der letzten Sitzung vor der Jahreswende um einen halben Prozentpunkt an - auf die neue Spanne von 4,25 bis 4,50 Prozent. Zuvor hatte sie vier Mal in Folge noch größere Zinsschritte gemacht - um jeweils 0,75 Prozentpunkte. Powell signalisierte nach dem Zinsbeschluss, dass weitere Erhöhungen nötig werden dürften: "Wir werden Kurs halten, bis die Arbeit erledigt ist." Die Währungshüter veranschlagen in ihrem aktualisierten Zinsausblick für Ende 2023 im Mittel ein Leitzinsniveau von 5,1 Prozent und damit einen halben Punkt mehr als noch im September avisiert.

Heute folgt nun die Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB): Anleger gehen davon aus, dass auch sie bei ihrer letzten Zinssitzung in diesem Jahr das Tempo drosseln wird und die Zinsen um 50 Basispunkte anhebt. Die Währungshüter hatten im September und Oktober ihre Schlüsselsätze ungewöhnlich stark um jeweils 0,75 Prozentpunkte nach oben gesetzt.

Volkswirte rechnen zudem damit, dass die EZB die Weichen für den Abbau ihrer billionenschweren Anleihenbestände stellen wird. EZB-Präsidentin Christine Lagarde hatte ein maßvolles und vorhersehbares Abschmelzen in Aussicht gestellt. Marktteilnehmer erwarten, dass auslaufende Anleihen dann nicht mehr vollumfänglich ersetzt werden. Von einem aktiven Verkauf der Bestände gehen die Experten nicht aus. Beginnen könnte die EZB mit dem Prozedere im März, heißt es bei der Commerzbank.

Ebenfalls am heutigen Tag tritt die Bank of England zum Zinsentscheid zusammen. Die Mischung aus hoher Inflation und Rezession erschwert die Geldpolitik auf der Insel, kommentieren die Strategen der Helaba. "Die britische Notenbank muss trotz Konjunktursorgen noch weiter straffen." Beobachter rechnen mit einer Anhebung um einen halben Punkt auf dann 3,50 Prozent. Im November hatte die BoE mit einer Erhöhung um 0,75 Prozentpunkte den größten geldpolitischen Sprung seit 1989 beschlossen.

Neben den Notenbanksitzungen gibt es zudem jede Menge frische Konjunkturdaten, angefangen mit den deutschen Großhandelspreisen und dem französischen Geschäftsklimaindex. Am Nachmittag folgen dann aus den USA die Einzelhandelsumsätze, die wöchentlichen Zahlen zu den Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe, der Empire State Manufacturing Index, der Philadelphia-Fed-Index, die Lagerbestände sowie Daten zur Industrieproduktion.

Unternehmensseitig geht es da schon merklich ruhiger zu: Bertrandt präsentiert das Jahresergebnis, Ceconomy ausführliche Jahreszahlen sowie Hennes & Mauritz Umsatzzahlen für das Schlussquartal. Interessant für die Autowerte könnten die aktuellen Pkw-Absatzzahlen des europäischen Branchenverbandes ACEA werden.

Quelle: ntv.de