Der Börsen-Tag"Zuviel Sand im Getriebe": EZB entscheidet über Wohl und Wehe des Dax'
An der Ratssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) hängt Experten zufolge in der neuen Woche Wohl und Wehe der heimischen Aktienmärkte. Anleger fürchteten, dass weitere Zinserhöhungen die Belastungen für die Wirtschaft verschärfen könnten. "Noch zehren viele Firmen von den höheren Preisen, die sie bei ihren Kunden durchsetzen können", sagt Anlagestratege Jürgen Molnar vom Brokerhaus RoboMarkets. "Aber dieser Effekt dürfte bald vorbei sein und die nächste Berichtssaison könnte dies schon eindrucksvoll zeigen."
In der alten Woche büßte der DAX unter anderem wegen der schwächelnden Konjunktur des wichtigen Handelspartners China mehr als ein Prozent ein. "Im Moment ist zu viel Sand im Getriebe der Börse und das ist passend zum jahreszeitlichen Muster", sagt Jochen Stanzl, Chef-Marktanalyst des Online-Brokers CMC Markets. "Die Blätter an den Bäumen wechseln ihre Farbe von Grün über Gelb auf Rot, und in gewisser Weise scheint sich dies gerade auch am Aktienmarkt zu vollziehen."
Anleger taxieren die Wahrscheinlichkeit, dass die EZB am Donnerstag auf eine weitere Zinserhöhung verzichtet, derzeit auf etwa 63 Prozent. Mitte der alten Woche lag die Quote aber noch bei knapp 70 Prozent. Dass diese Entwicklung ausschließlich von fallenden Aktienkursen begleitet wurde, zeige eindrucksvoll, welche Turbulenzen eine unerwartete Zinserhöhung auslösen könnte, warnt Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners. Experten erwarten eine lebhafte Debatte über die Geldpolitik und eine knappe Entscheidung.
Der Wochenstart fällt aus Terminsicht ruhig aus: Die EU-Kommission legt ihre Sommerprognose vor: Im Mai hatte sie die Konjunkturaussichten in der Euro-Zone optimistischer als noch im Winter gesehen. Sie veranschlagte damals ein Plus beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 1,1 Prozent für 2023. Ob die Prognose Bestand hat oder angesichts der zuletzt dahindümpelnden Wirtschaft nach unten angepasst wird, wird der zuständige EU-Kommissar Paolo Gentiloni vor der Presse erläutern. Der Vorhersage kommt nur drei Tage vor dem Zinsentscheid der EZB besondere Bedeutung zu.
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