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Goerkes Chartsignale Abendstern im DAX-Chart

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(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

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Ralf Goerke, Momentuminvestor.de

Die Japaner haben in den vergangenen 250 Jahren eine Reihe von Chartarten und Charttechniken entwickelt. Die populärste ist die der Kerzencharts. Sie hat sich inzwischen auch in Europa durchgesetzt, weil sie dem Betrachter den Vorteil bietet, das Verhalten von Bullen und Bären besser studieren zu können.

Im Laufe der Jahre fand man heraus, dass bestimmte Kerzenmuster, die aus zwei oder drei Kerzen bestehen, gewisse Rückschlüsse auf die weitere Kursentwicklung zulassen. Die Japaner gaben diesen Kerzenmustern treffende Bezeichnungen, wie z. B. „Hanging Man“, „Dunkle Wolke“ oder „Evening Star“ (Abendstern). Letzteres hat sich in den vergangenen vier Wochen im DAX-Chart herausgebildet. Man bedenke: Der Abendstern erscheint, bevor die Nacht heranbricht…

Abb.: DAX als Kerzenchart auf Wochenbasis 1 Jahr

Sie sehen hier den DAX als Kerzenchart auf Wochenbasis (jede Kerze steht für die Kursveränderung einer Woche) über einen Zeitraum von einem Jahr. Die Formation „Evening Star“ wurde durch den gelben Kreis hervorgehoben.


Dieses Muster besteht aus drei Kerzen, wobei die erste (1) lang und weiß ist (steigende Kurse), die zweite (2) einen verkleinerten (weißen oder schwarzen) Kerzenkörper vorweist, während die dritte Kerze (3) lang und schwarz ist (fallende Kurse). Alle drei Voraussetzungen werden im aktuellen DAX-Chart lehrbuchmäßig erfüllt.


Idealerweise hebt sich bei dieser Formation die mittlere kleine Kerze (der Stern) noch von den beiden umgebenden Kerzen etwas ab. Dies ist in der gegenwärtigen Chartsituation im DAX tatsächlich auch gegeben. Wir haben es also aktuell mit dem Musterbeispiel eines „Abendsterns“ im DAX zu tun.


Die schwarze Wochenkerze in der vorletzten Woche (3) ist von ihren Ausmaßen übrigens die längste der letzten 6½ Monate! Solche langen schwarzen Kerzen auf hohem Niveau zeigen die verstärkte Abgabebereitschaft der Marktteilnehmer nach einer längeren Phase stark gestiegener Kurse.


Die vierte und letzte Kerze (4), die nicht mehr zur Formation gehört, zeigt den Verlauf des DAX in der zurückliegenden Woche. Bei einer Spanne von etwa 200 Indexpunkten zwischen dem Wochenhoch und dem Wochentief schloss der DAX gerade mal fünf Punkte höher als zu Wochenbeginn. Das Hoch bei 7.356 Indexpunkten von letztem Dienstag konnte nicht gehalten werden; die Kraft der Bullen reichte nicht aus. Der DAX fiel wieder zurück. Übrig bleibt ein „Doji“, eine Unsicherheitskerze ohne weißen oder schwarzen Kerzenkörper, die ein „Unentschieden“ zwischen den Marktkräften der Bullen und Bären beschreibt.

 

Die rein charttechnische Betrachtung zeigt Ihnen darüber hinaus auch, dass inzwischen der Aufwärtstrend (gestrichelte Linie) im DAX gebrochen ist…

 

Ähnliche Chartformationen wie die des „Evening Stars“ sind auch in den anderen deutschen Teilindizes (MDAX und SDAX) auf Wochenbasis zu beobachten. Im TecDAX ist die Formation des „Hanging Man“ auszumachen. Diese ist noch dazu verbunden mit einem „schwarzen Überdeckungsmuster“ („Negative Engulfing Pattern“). Dies alles sind nicht sehr vertrauenserweckende Chartmuster.

 

Fazit

Der Abendstern ist eine Umkehr-Formation in der klassischen japanischen Chartanalyse. Hier sollte der Anleger Vorsicht walten lassen, zumal dieses Muster aktuell mit einem Trendbruch im DAX einhergeht. Möglich ist auch, dass durch diese Formation nur eine mehrwöchige Korrektur eingeleitet wird. Anleger sollten jetzt ihre aufgelaufenen Gewinne durch enge Stopps absichern. Neuengagements auf der Long-Seite werden vorerst zurückgestellt. Sollte es in den nächsten Tagen wider Erwarten jedoch schon wieder zu Schlusskursen über 7.450 Indexpunkten kommen (neue Jahreshöchstkurse), hätte sich das Muster als ein Fehlsignal erwiesen.

 

Mehr Informationen zur Strategie von Ralf Goerke finden Sie unter www.momentumstrategie.de.

Quelle: ntv.de