Karriere

Raus aus der Komfortzone Was bringt ein Auslandsjob?

In Stellenausschreibungen für Führungskräfte werden Auslandserfahrungen oft als selbstverständlich vorausgesetzt. Und damit ist dann nicht der Cluburlaub auf den Malediven gemeint. Wer in einem anderen Land leben und arbeiten will, sollte wissen, worauf er sich einlässt.

imago56766716h.jpg

Führungskräfte sollten gelegentlich über den Tellerrand hinausschauen.

(Foto: imago stock&people)

Ein High-School-Jahr in den USA, ein Erasmus-Semester in Frankreich oder ein Post-Graduate-Stipendium in England – während der Ausbildung gibt es reichlich Gelegenheiten, fremde Länder zu erkunden. Und danach? Bei Stellenausschreibungen für Führungskräfte werden internationale Stationen oft vorausgesetzt – insbesondere wenn es um die Verantwortung für globale Themen geht. Doch während sich ein Auslandsaufenthalt in bestimmten Studienphasen förmlich anbietet, wird es später schon schwieriger, die eigene Komfortzone zu verlassen und in einem anderen Land neu anzufangen. Das gilt umso mehr, wenn Sie beruflich fest im Sattel sitzen und eigentlich keinen Grund für eine gravierende Veränderung haben. Zumal Sie womöglich auch noch Partner und Familie überzeugen müssen.

Es gibt aber gute Gründe, den Schritt ins Ausland dennoch zu wagen. Wenn alles gut läuft, kommen Sie nicht nur mit neuem Fachwissen zurück, sondern auch als gereifte Führungspersönlichkeit. Wer sich in einem unbekannten Umfeld bewegt, muss automatisch dazulernen: "Es fängt beim Supermarktabenteuer an, geht über das Verstehen von lokalen Mitarbeitern bis hin zur Erforschung bisher unbekannter Führungsstile", schreibt Constance Grunewald-Petschke, die als Trainerin für interkulturelle Kommunikation arbeitet, in ihrem Blog. In einer Situation mit vielen unbekannten Variablen trotzdem erfolgreich agieren zu können, sei auch für die weitere berufliche Karriere ein großer Vorteil.

Um sich auf das Unbekannte einzulassen, ist ein gewisses Maß an Anpassungsfähigkeit nötig. Im besten Fall hinterlässt das auch Spuren im eigenen Führungsstil, der dadurch kreativer und flexibler wird. Darüber hinaus fällt es leichter durch den Blick von außen festgefahrene Strukturen zu hinterfragen.

Wer einmal in einem fremden Land gelebt und gearbeitet hat, wird sich zudem bei der Kommunikation mit Menschen aus anderen Kulturkreisen leichter tun. Empathie und die interkulturelle Kompetenz können im Berufsalltag hilfreich sein, sowohl beim Umgang mit Partnern und Kollegen, als auch bei Entscheidungen auf internationaler Ebene. "Wenn die Kunden und Entwickler über den ganzen Globus verstreut sind, ist es essenziell nicht nur deren Sprache zu beherrschen sondern auch zu wissen, wie man vor dem unterschiedlichen kulturellen Hintergrund mit der Sozialkompetenz der Menschen umgeht und herausfindet, was die Menschen beeinflusst", sagt beispielsweise Thomas Vetter, der derzeit Senior Vice President bei SAP in Deutschland ist und viele Jahre in Indien gelebt hat.

Der Jobmarkt funktioniert nach anderen Regeln

In globalen Unternehmen sei es heutzutage zwingend notwendig, einen internationalen Zugang zu unterschiedlichen Kulturen zu haben, findet Vetter. Operiert die Firma weltweit, gibt es oft Chancen, innerhalb des Unternehmens Auslandserfahrungen zu sammeln. Doch nicht immer ist es eine Option, sich versetzen zu lassen. Dann führt der Weg ins Ausland über eine andere Firma. Wollen Sie Ihre Karriere selbst in die Hand nehmen, sollten Sie internationale Netzwerke wie LinkedIn oder Karriereplattformen wie Experteer aktivieren. Durch die Präsenz auf verschiedenen Märkten können Sie hier auch grenzüberschreitend nach Stellen Ausschau halten.

Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Suche nach Spitzenpositionen nicht überall gleich verläuft. Headhunter-Aktivitäten, soziale Karrierenetzwerke, Online-Stellenbörsen, direktes Recruiting durch Unternehmen und weitere Kanäle sind länderspezifisch unterschiedlich ausgeprägt. Je nach Zielland sollten Sie sich auf bestimmte Recruiting-Varianten fokussieren.

Zudem ist sinnvoll, nicht einfach ins Blaue hinein zu starten. Auch wenn viele Menschen ihre Karriereplanung gerne spontan entscheiden, ist es oft leichter, wenn Sie bereits wissen, was Sie in der nächsten Zeit erwartet. Haben Sie erst einmal das große Ganze im Fokus, werden Sie es leichter haben Schritt für Schritt Ihr Ziel zu erreichen.

Nicht zu lange weg bleiben

Definieren Sie den Zeitraum, den Sie im Ausland verbringen möchten. Zwei bis drei Jahre sind ideal und so viel Zeit sollten Sie sich auch nehmen, denn die ersten Monate werden Sie und gegebenenfalls Ihre Familie für die Eingewöhnung und den administrativen Marathon brauchen. Zu lange Auslandsaufenthalte können dagegen schädlich sein, wenn Sie noch höhere Karriereziele haben. Die besten Positionen werden auch im Ausland eher mit einheimischem Personal besetzt. Kommen Sie aber nach vielen Auslandsjahren zurück nach Deutschland, wird man Sie hier womöglich auch eher als "Ausländer" betrachten.

Selbst wenn Sie Ihrer Firma treu bleiben, können Sie nicht damit rechnen, dass Sie nach Ihrer Rückkehr dort anknüpfen können, wo Sie aufgehört haben. Die Auslandsmission ist auch kein Garant für einen Aufstieg in der Firma – im Gegenteil: Wenn sich die Machtverhältnisse im Unternehmen geändert haben, haben Sie als Rückkehrer womöglich schlechte Karten. Um nicht vom Radar zu verschwinden, ist es unerlässlich, mit der Firma in Kontakt zu bleiben und das heimische Netzwerk zu pflegen.

Tauschen Sie sich aus

Seien Sie darauf gefasst, dass die erste Zeit im neuen Land nicht leicht sein wird. Auch wenn im Job Englisch gesprochen wird, müssen Sie sich im Alltag womöglich an eine neue Sprache gewöhnen. Auch in Sachen Bürokratie könnten Sie auf Hindernisse stoßen. Und natürlich geraten Sie auch an andere Mentalitäten und Arbeitseinstellungen. Wenn viele kleine Dinge anders laufen als gewohnt, stellt das Ihre Anpassungsfähigkeit vor einige Herausforderungen. Die gute Nachricht ist: Sie sind nicht allein! Suchen Sie nicht erst im Ausland Kontakt zu anderen "Expats", sondern hören Sie sich schon im Vorfeld in Ihrem nahen oder erweiterten Umfeld um. Mit hoher Wahrscheinlichkeit gibt es dort Menschen, die die Erfahrungen schon gemacht haben, die Ihnen noch bevorstehen. Nutzen Sie diese Quellen und informieren Sie sich rechtzeitig darüber, wie es ihnen dabei ergangen ist und welche Herausforderungen sie meistern mussten. So können Sie Ihre eigene Auslandserfahrung mit realistischen Erwartungen und den richtigen Vorbereitungen angehen.

Quelle: n-tv.de, ino

Mehr zum Thema