Dax-VorschauAnleger hoffen auf neuen Gipfelsturm

Die 10.000 Punkte sind geknackt, doch am deutschen Aktienmarkt hält sich die Feierstimmung in Grenzen. Trotz der Geldschwemme der Europäischen Zentralbank nimmt die Skepsis zu. Und Anleger fragen sich: Sind die jüngsten Kursgewinne nachhaltig?
Nach dem Rekordsprung des Dax über 10.000 Punkte dürfte den Anlegern eine vergleichsweise ruhige Woche ins Haus stehen. Sie beginnt am Pfingstmontag mit einem üblicherweise trägen Feiertagshandel. Zumindest kurzfristig trauen Experten dem wichtigsten deutschen Aktienindex kaum weitere Gewinne zu. Weder von Konjunktur- noch Unternehmensseite sind Impulse zu erwarten. Es stünden nur wenige hochkarätige Daten auf der Agenda, heißt es in einer aktuellen Einschätzung der Postbank. Auch Unternehmensnachrichten dürften Mangelware bleiben - abgesehen von einigen Quartalsberichten.
Am Freitag hatte der Dax die Woche mit einem Rekord-Schlussstand beendet. Die am Vortag im Verlauf erstmals geknackten 10.000 Punkte konnte er jedoch abermals nicht nachhaltig überwinden. Ein etwas besser als erwartet ausgefallener US-Arbeitsmarktbericht hatte den deutschen Leitindex nur kurz über die viel beachtete Schwelle gehoben, bevor er wieder etwas zurückfiel und bei 9987 Punkten mit einem Plus von 0,4 Prozent ins Wochenende ging. Unterm Strich stand ein Wochenplus von knapp einem halben Prozent.
"Anlass zum Durchatmen"
Viele Marktexperten bezweifeln, dass sich der Dax in naher Zukunft deutlich jenseits der magischen Marke etablieren kann. Die Luft werde zunehmend dünner, so die Analysten der NordLB. Weitere Kursgewinne wären nur gesund, wenn der Anstieg auf eine gute konjunkturelle Entwicklung zurückzuführen sei. "Diese aber liegt angesichts des Eingreifens der EZB offenbar gerade nicht vor." Die Zentralbank hatte am Donnerstag ein ganzes Bündel von Maßnahmen angekündigt, um die Kreditvergabe in der Euro-Zone anzukurbeln.
Die Investoren dürften überlegen, ob die 10.000-Punkte-Marke beim Dax "nicht ein Anlass zum Durchatmen ist", meint Daniel Saurenz von Feingold Research. Analyst Armin Kremser von der DZ Bank sieht in den 10.000 Punkten einen "psychologischen Deckel" für den deutschen Leitindex.
Für Jens Klatt vom Brokerhaus FXCM ist ein Rücksetzer des Dax in Richtung der 9800er Marke in den nächsten Tagen wahrscheinlicher als ein neuer Anlauf auf die 10.000 Punkte. Die Notenbanker hätten vieles von ihrem Pulver mit den jüngsten Beschlüssen verschossen. "Und was die tatsächlichen realwirtschaftlichen Effekte angeht, werden die Auswirkungen dieser Geldpolitik noch längere Zeit auf sich warten lassen", sagt Klatt.
Auf Unternehmensseite dürfte es in der Pfingstwoche ruhig bleiben. Nachrichten stehen in der neuen Woche erst mit monatlichen Verkehrszahlen von Lufthansa (Mittwoch) und Fraport (Donnerstag) an. Am Freitag folgen die Quartalszahlen des Modekonzerns Gerry Weber sowie des Investmentunternehmens Deutsche Beteiligungs AG.
Den Auftakt der wenigen potenziell kursbewegenden Konjunkturnachrichten machen am Dienstag die chinesischen Erzeuger- und Verbraucherpreise. Am Donnerstag folgt die Industrieproduktion der Eurozone im April - die Postbank-Experten rechnen mit einem Anstieg. Von den US-Einzelhandelsumsätzen für den Mai (Donnerstag) erwarten sie positive Signale für die Entwicklung des privaten Konsums in der weltgrößten Volkswirtschaft im zweiten Quartal. Den Schlusspunkt setzen am Freitag Daten aus China zu Einzelhandelsumsatz und Industrieproduktion sowie das von der Universität von Michigan erhobene US-Verbrauchervertrauen für den Juni. Bei diesem sieht die Postbank gute Chancen für eine Fortsetzung des Aufwärtstrends.