Wirtschaft
Sommergewitter
Sommergewitter(Foto: imago/Volker Preußer)
Samstag, 04. August 2018

Zölle, Zahlen, schwache Umsätze: Anlegern droht nervenaufreibende Woche

Die Berichtssaison in Deutschland erreicht ihren Höhepunkt. Experten zufolge können die hiesigen Firmen mit den glänzenden Zahlen der US-Konzerne kaum mithalten. Stattdessen drohen böse Überraschungen. Zusammen mit dünnen Umsätzen im Sommer ergibt das ein explosives Gemisch.

Das Thema Dürre ist in aller Munde, an der Börse kann davon aber keine Rede sein. Investoren sollten sich in der neuen Woche nach Meinung von Experten auf größere Schwankungen beim Dax einstellen. Eine Flut von Quartalszahlen steht an. Mit Spannung werden zudem neue Wendungen im Handelskonflikt erwartet.

Weil viele Anleger noch im Urlaub sind, dürften schon vergleichsweise geringe Umsätze reichen, um für stärkere Kursausschläge zu sorgen. "Die aktuelle Berichtssaison der Unternehmen und der immer wieder aufkeimende Handelskonflikt bietet genug Potenzial für einen spannenden August", sagt Weberbank-Analyst Jan Nießen.

In der zurückliegenden Woche verlor der deutsche Leitindex knapp zwei Prozent an Wert auf 12.615 Punkte. An der Wall Street trat der Dow Jones im Wochenvergleich auf der Stelle, der breiter gefasste S&P 500 stieg um 0,8 Prozent, und der Index der Technologiebörse Nasdaq um ein Prozent.

Fast ein Drittel der Dax-Unternehmen legt in der neuen Woche Geschäftszahlen vor. Experten befürchten auch negative Überraschungen. "Die laufende Berichtssaison zeigt bisweilen, dass es nicht mehr in allen Branchen rund läuft", sagt Christian Schmidt von der Landesbank Helaba.

Auch Analyst Markus Glockenmeier von der National-Bank in Essen zieht eine gemischte Bilanz der bisherigen Saison. "Insgesamt haben die US-Unternehmen eher positiv überrascht. In Europa zeigt sich ein etwas anderes Bild." Die Umsätze der gut 300 Firmen, die aus dem europäischen Index Stoxx 600 bislang ihre Bücher geöffnet hätten, seien um etwa sechs Prozent gestiegen. Die Gewinne seien aber rückläufig. "Bemerkbar macht sich auch, dass die europäischen Firmen im Gegensatz zu ihren US-Pendants keinen Rückenwind durch Steuersenkungen haben." So hätten die Umsätze der S&P-Firmen um zehn Prozent zugelegt, die Gewinne sogar um 24 Prozent.

Gleich am Montag lässt sich das britische Geldhaus HSBC in die Bücher blicken. Am Dienstag folgen die Dax-Konzerne Commerzbank, Deutsche Post und der Nivea-Hersteller Beiersdorf. Die Münchener Rück und Eon stellen ihr Zahlenwerk am Mittwoch vor, und am Donnerstag steht den Börsen mit Merck KGaA, der Deutschen Telekom, Thyssenkrupp und Adidas sowie vielen Firmen aus den hinteren Reihen wieder ein Großkampftag bevor.

Zollstreit dürfte Börse lange beschäftigen

Weniger Impulse sind von den Konjunkturdaten zu erwarten. Lediglich die Auftragseingänge der deutschen Industrie (Montag) und die Produktions- sowie Exportzahlen (beide Dienstag) stehen auf dem Zettel. Am Freitag veröffentlichen die USA Inflationszahlen für Juli.

Investoren dürften mit Argusaugen darauf schauen, wie es im Handelskonflikt zwischen Washington und Peking weitergeht. Die jüngste Drohung von US-Präsident Donald Trump, auf chinesische Waren noch höhere Zölle erheben zu wollen, habe die Sorge vor einer Eskalation spürbar ansteigen lassen, sagt Fondsmanager Thomas Metzger von der Stuttgarter Privatbank Bauer.

Trump brachte zuletzt 25-prozentige Zölle auf chinesische Waren im Wert von 200 Milliarden Dollar ins Spiel. Vor allem Anleger in Asien macht das nervös, aber auch Börsianer in Europa bereitet der Zollstreit Kopfzerbrechen, weil sie Folgen für die hiesigen Firmen befürchten. "Sicher scheint, dass uns das Thema noch eine Weile beschäftigen wird", sagt Weberbank-Analyst Nießen.

Quelle: n-tv.de