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China steigt dennochAsiens Märkte schwach

08.06.2007, 12:49 Uhr

Die asiatischen Märkte standen heute unter fortgesetztem Druck, nachdem auch der US-Markt ein weiteres Mal deutlich abgegeben hatte.

Von Gerhard Heinrich, Emfis

Die asiatischen Märkte standen heute unter fortgesetztem Druck, nachdem auch der US-Markt ein weiteres Mal deutlich abgegeben hatte. In den Vereinigten Staaten waren zugleich die Umlaufrenditen bei den Anleihen weiter gestiegen. Dies schürte zunehmend die Furcht vor globalem Inflationsdruck, der zu höheren Zinsen führen würde und Anleger ihr Kapital aus den Aktienmärkten abziehen ließe. Ein Rückfluss der internationalen Investorengelder in Zinspapiere hätte vor allem für die Börsen der Emerging Markets nachteilige Folgen. Gleichzeitig würden hohe Zinsen in den USA dort vermutlich das Wirtschaftswachstum weiter beeinträchtigen.

In Japan gab der Nikkei 225 1,52 Prozent auf 17.779 Punkte ab; der breitere Topix verlor 1,32 Prozent auf 1756 Zähler. Zuvor war gemeldet worden, dass die Auftragseingänge im dortigen Maschinenbausektor im April zwar gestiegen waren, aber dennoch unter den Markterwartungen gelegen hatten. Die Aussicht auf weltweiten Inflationsdruck und hohe Zinsen brachte vor allem die Immobilientitel unter Druck. Nomura Real Estate verloren 6,1 Prozent und Mitsui Fudosan 5,0 Prozent. Schwach entwickelten sich auch die Titel der Investmentbanken. Hier verbilligten sich Daiwa Securities um 2,6 Prozent und Nomura Holdings um 1,2 Prozent. Sony gaben 2,9 Prozent ab, nachdem die Spielesparte des Konzern angekündigt hatte, jetzt auch in den USA Stellen abbauen zu müssen. Dagegen gewannen Fujitsu nach einem optimistischen mittelfristigen Ausblick 2,9 Prozent hinzu.

In Taiwan fiel der TAIEX um 0,65 Prozent auf 8300 Zähler. Die Abschläge erstreckten sich dabei über alle Bereiche. Im Technologiesektor verloren United Microelectronics vor Bekanntgabe der Mai-Umsatzdaten 1,25 Prozent; die Aktie des Notebook-Herstellers Acer verbilligte sich um 1,12 Prozent. Nanya Technologie gaben dagegen lediglich 0,18 Prozent ab, obwohl das Unternehmen für das laufende Quartal einen Verlust ankündigte. Taiwan Semiconductor stemmten sich allerdings dem schwachen Trend entgegen und legten 1,08 Prozent zu. Advanced Semiconductor Engineering hatte zuvor erklärt, künftig mehr Aufträge an die Chip-Schmiede zu vergeben. Die Papiere von Advanced Semiconductor selbst gewannen 0,24 Prozent hinzu.

Der koreanische Kospi rutschte um 1,47 Prozent auf 1727 Stellen ab. Die Entscheidung der dortigen Notenbank, den Leitzins unverändert bei 4,5 Prozent zu belassen, wirkte sich kaum aus. Die meisten Marktteilnehmer rechneten fest damit, dass in den kommenden Monaten dort in jedem Fall eine Leitzins-Erhöhung stattfinden werde. Unter Druck standen überwiegend jene Sektoren, die sich zuletzt großer Beliebtheit erfreut hatten. So schlitterten unter den Bauwerten Hyundai Engineering & Construction um 5,9 Prozent nach unten, im Schiffsbaussektor verloren Hyundai Heavy 4,74 Prozent. Die Aktie des Stahlriesen Posco gab 1,3 Prozent ab; die Papiere des Einzelhandelkonzerns Shinsegae fielen um 2,8 Prozent. Dagegen stieß der Elektroniksektor auf das ungebrochene Interesse antizyklischer Investoren. Dies brachte etwa Samsung Electronics um 0,5 Prozent nach oben, LG.Philips LCD verbesserten sich um 2,5 Prozent.

In Hongkong verlor der Hang Seng Index 1,4 Prozent auf 20.509 Punkte. Dabei wurde vor allem das zins-sensitive Immobilien-Segment in Mitleidenschaft gezogen. Hongkongs Leitzins ist ebenso wie die dortige Währung an den US-Dollar gekoppelt. So gaben Cheung Kong 1,16 Prozent und Henderson Land 3,4 Prozent ab. Im Telekom-Sektor verbilligten sich China Telecom um 2,63 Prozent; China Mobile gaben 0,89 Prozent und China Unicom 3,83 Prozent ab. Im Finanzsektor verloren China Life 0,81 Prozent und ICBC 0,98 Prozent. Die Titel des Motoren-Herstellers Johnson Electric stiegen dagegen im Vorfeld des Quartalsberichts um weitere 5,05 Prozent.

Einzig im noch vor einer Woche so gebeutelten China herrschte eitel Freude. Hier legte der Shanghai Composite Index weitere 0,57 Prozent auf 3913 Punkte zu; der Shanghai A-Shares Index stieg um 0,58 Prozent auf 4103 Zähler und der B-Shares-Index um 0,3 Prozent auf 288,45 Stellen.