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Inside Wall StreetAufstand der Autohändler

15.06.2009, 17:56 Uhr
imageLars Halter, New York

Zahlreiche Händler von GM und Chrysler bangen um ihre Jobs. Einige wehren sich mit Erfolg gegen die Schließung – und lassen Zweifel über eine konsequente Neuordnung der Unternehmen aufkommen.

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Bei diesem Chrysler-Händler in Phoenix, Arizona ist das Rennen gelaufen. (Foto: REUTERS)

Während GM und Chrysler restrukturieren, bangen nach wie vor hunderttausende Amerikaner um ihre Jobs, die direkt oder indirekt mit den Automobilfirmen zusammenhängen. Allen voran die Autohändler, von denen zahlreiche ihre Tore schließen sollen. Einige wehren sich mit Erfolg – und lassen Zweifel über eine konsequente Neuordnung der Unternehmen aufkommen.

Mike Wilson in Winchester im Bundesstaat Kentucky freut sich etwa. Sein Chevrolet-Autohaus stand zunächst auf der Liste der mehr als 2000 Läden, die GM schließen wollte. Jetzt bekommt man eine zweite Chence, ebenso wie Walser Buick Pontiac in Bloomington/Minnesota, Fox Pontiac Buick in Grand Rapids/Michigan und Harris Buick Pontiac in Whittier/Kalifornien.

In verschiedenen Automobil-Blogs tauchen noch 37 andere Autohäuser auf, die nach einem ersten Schock doch geöffnet bleiben. Bei den meisten haben sich die regional zuständigen Politiker eingeschaltet und Lobby-Arbeit in Detroit betrieben. Bei drei Autohäusern in Massachussetts, etwa, für die der demokratische Denator Barney Frank ein gutes Wort einlegte. Auch der Fraktionsführer der Demokraten, Steny Hoyer, setzte sich für einige Läden ein – doch sind Zweifel an diesem Vorgehen angebracht.

Washington singt offensichtlich wieder das alte Lied: "Not in my backyard". Danach wollen Politiker stets dramatische Veränderungen schaffen, Atomreaktoren bauen, Werke rationalisieren, neue Gefängnisse für Terror-Verdächtige schaffen – aber bitte nicht im eigenen Wahlkreis. Auf diese Weise werden notwendige Projekte stets verlangsamt oder verwässert, und im Falle der Autofirmen ist das besonders gefährlich.

Denn GM und Chrysler kann nur ein radikaler Umbau helfen, und dazu gehören deutliche Einschnitte im Händlernetz. Toyota beweist schließlich seit Jahren, dass die amerikanischen Konkurrenten ineffizient sind. Die Japaner verkaufen etwa dasselbe Volumen wie GM und deutlich mehr als Chrysler – allerdings haben sie nur etwa ein Drittel der Läden.

Hinzu kommt, dass GM gerade Marken abbaut und Chrysler seine drei Produktlinien ausdünnen will. Bisher waren nahezu identische Autos, SUV und Trucks etwa bei Chrysler, Jeep und Dodge aufgetaucht. Den Konzern kosten solche Dopplungen 350 Millionen Dollar pro Modell. "Wir machen uns in vielen Bereichen selbst Konkurrenz", urteilt etwa Jim Press, der stellvertretende CEO des kaputten Konzerns. "Das war ein Grund für unseren Konkurs."

Künftig sollen Autohäuser also zusammengelegt werden und alle Marken eines jeweiligen Konzerns verkaufen. Entsprechend soll ein Autohaus flächenmäßig abdecken wo früher drei oder vier einen Markt hatten. Diese Einschnitte sind schmerzhaft, sie sind aber sinnvoll und notwendig. Dass sich die Politik erneut einmischt und regionale Interessen über die Gesundung der Mutterkonzerne stellt, könnte die Zukunftsfähigkeit von GM und Chrysler langfristig untergraben.