Dax-VorschauBlick geht nach Amerika
Der Dax könnte in der kommenden Woche seinen Aufwärtstrend fortsetzen. In den USA gibt es eine regelrechte Zahlenflut. Wichtige Unternehmen öffnen ihre Bücher. In Deutschland gibt es nur wenige Konjunkturtermine.
Nach mehreren vergeblichen Anläufen wird der Dax nach Einschätzung von Börsianern die psychologisch wichtige Marke von 6300 Punkten in der neuen Woche deutlich überspringen. Kaufimpulse erhoffen sich die Experten vor allem von der US-Bilanzsaison, die immer mehr an Fahrt gewinnt. In der abgelaufenen Woche hatte der deutsche Leitindex 0,7 Prozent zugelegt.
"Die Wirtschaft fasst wieder tritt und die Zuversicht nimmt zu", sagt Marktanalyst Giuseppe Amato vom Brokerhaus Lang & Schwarz. "Der Dax hat Potenzial bis 6400 Punkte." Auch die Experten der Landesbank Berlin (LBB) blicken optimistisch auf die kommenden Handelstage. Sie verweisen zusätzlich auf die nach wie vor üppige Liquidität an den Finanzmärkten und positive charttechnische Faktoren.
Amato warnt aber vor überzogenen Erwartungen an die US-Bilanzsaison: "Die Zahlen werden zwar gut, die Frage ist aber, werden sie auch gut genug?" Die Reaktion auf die Ergebnisse von Google und AMD zeige, dass einige Anleger die Bekanntgabe von Zahlen auch für Gewinnmitnahmen nutzten. Außerdem werde der Aktienmarkt derzeit eher von spekulativen als von langfristig orientierten Anlegern geprägt, betont er. "Daher kann die Stimmung sehr schnell drehen."
Als möglichen Auslöser für einen derartigen Umschwung sehen Börsianer die immer noch ungelöste Schuldenkrise Griechenlands und anderer Staaten. Die Erleichterung über die Konkretisierung des EU-Notfallplans sei weitgehend verflogen. Unklare Details des Hilfspaketes hatten die Risikoaufschläge für griechische Anleihen und die Kosten für die Versicherung griechischer Verbindlichkeiten gegen Zahlungsausfall zum Ende der abgelaufenen Woche wieder in die Höhe getrieben. Parallel dazu geriet der Euro unter Druck.
US-Schwergewichte öffnen die Bücher
Die Agenda der anstehenden Bilanzen liest sich wie ein "Who's Who" der US-Industrie: Den Anfang machen am Montag IBM und Citigroup. Am Tag darauf folgen unter anderem der iPhone- und iPod-Hersteller Apple sowie die US-Großbank Goldman Sachs. Mit von der Partie sind außerdem EADS-Rivale Boeing (Mittwoch) und der Software-Riese Microsoft (Donnerstag). Auch der Schweizer Deutsche-Bank-Konkurrent Credit Suisse will sich am Donnerstag in die Bücher schauen lassen.
In Deutschland ist unterdessen die Hauptversammlungssaison in vollem Gang. Mit Spannung warten Investoren auf das Aktionärstreffen bei Volkswagen. Der Autobauer will sich nach seiner milliardenschweren Kapitalerhöhung grünes Licht für eine Wandelanleihe in einem Volumen von bis zu fünf Milliarden Euro geben lassen. Außerdem dürfte die von Autopatriarch Ferdinand Piech angestrebte Lkw-Allianz mit MAN und Scania diskutiert werden. Mit einer Entscheidung hierzu ist aber noch nicht zu rechnen.
Auf Konjunkturseite stehen deutlich weniger Termine auf der Tagesordnung. Am Dienstag soll der ZEW-Index veröffentlicht werden, der die Stimmung der Finanzmarktprofis misst. Analysten erwarten für April einen Anstieg auf 45,2 Punkte von 44,5 Zählern im Vormonat. Der für Freitag angekündigte Ifo-Index spiegelt die Verfassung der deutschen Unternehmen wider. Hier sagen Experten ein Plus auf 98,9 Stellen von 98,1 Punkten voraus.