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4800 Punkte übersprungenDax ganz locker

10.12.2008, 17:38 Uhr

Die deutschen Aktienindizes haben sich am Mittwoch für keine klare Richtung entschieden. Freundliche US-Börsen sorgten im späten Handel dafür, dass der Leitindex Dax den Tag mit einem Plus beendete.

Die deutschen Aktienindizes haben sich am Mittwoch für keine klare Richtung entschieden. Der Leitindex Dax legte 0,5 Prozent auf 4804,88 Punkte zu. Der MDax mittelgroßer Werte gewann 1,4 Prozent auf 5394,69 Zähler. Der TecDax verlor dagegen 0,8 Prozent auf 478,33 Punkte.

Die vorläufige Einigung auf ein Rettungspaket für US-Autobauer hatte die Stimmung am deutschen Aktienmarkt zunähcst aufgehellt, an der Frankfurter Börse konnten die Indizes die kräftigen Auftaktgewinne nicht halten. Händler führten das auf Gewinnmitnahmen zurück. "Nach der Rally um mehr als 10 Prozent seit Freitag sind diese nicht überraschend", sagte einer von ihnen. "Die Märkte legen eine Ruhepause nach den sehr nachrichtenreichen Tagen ein", erklärte Manual Martin, Analyst bei Close Brothers Seydler.

Freundliche US-Börsen sorgten im späten Handel dafür, dass der Dax den Tag mit einem Plus beendete.

Nach übereinstimmender Aussage von Händlern kommt das Geschäft an den Aktienmärkten immer mehr zur Ruhe. "Nur wer wirklich noch handeln muss, ist auch noch dabei", sagte ein Broker. Hierzu zählten vor allem die Akteure am Options- und Terminmarkt. Hedgefonds sowie Langfrist-Investoren wie beispielsweise Fonds hätten sich bereits weitgehend zurückgezogen. Zu den Verlierern zählten vor allem die Finanzwerte, Einzelhändler und Konsumgüterhersteller.

Adidas deutlich im Plus

Der Markt war stark von einzelnen Unternehmensgeschichten getrieben. Die Papiere der Hypo Real Estate (HRE) gehörten mit einem Aufschlag von 5,7 Prozent zur Dax-Spitze. Der Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (SoFFin) hatte den Garantierahmen für den angeschlagenen Immobilienfinanzierer von 20 auf 30 Mrd. Euro aufgestockt. "Das noch was kommt, ist keine Überraschung", sagte Analyst Konrad Becker von Merck Finck & Co. Die aktuelle Situation habe sich wegen der weiter sehr angespannten Situation auf dem Geldmarkt noch nicht gebessert. Das Fass habe entsprechend einen Boden, der sei aber wohl ziemlich tief.

Zu den größten Dax-Gewinnern zählten - wie am Vortag - die Adidas-Aktien mit einem Plus von über 6 Prozent. Das Plus hänge mit technischen Kaufsignalen zusammen, sagten Händler. Ähnlich vage begründeten sie das Plus von 3,3 Prozent bei BASF.

Linde unter Druck

Linde fielen derweil am Dax-Ende um 3,4 Prozent. Der Konkurrent Praxair sprach am Vorabend eine Gewinnwarnung für das vierte Quartal 2008 aus und kündigte Kostensenkungsmaßnahmen an. Ein Händler meinte allerdings, dass auch in diesem Sektor schlechte Nachrichten bereits eingepreist seien, was auch die nur geringe Kursreaktion bei Praxair und den Wettbewerbern im nachbörslichen Handel in den USA zeige. Bei Linde-Titeln gebe es aber nach dem Anstieg der Vortage aber Gewinnmitnahmen.

Die Aktien der Deutschen Telekom tendierten mit einem Abschlag von 0,9 Prozent ebenfalls schwächer. Die Deutsche Bank hatte am Morgen das Kurziel für den Ex-Monopolisten gesenkt.

Lanxess im Minus

Im MDax verloren die Papiere von Hugo Boss 1,1 Prozent. Händler verwiesen primär auf Sorgen um den Sektor als Ganzes, die zuletzt von Escada angeheizt worden seien. Deutsche EuroShop verbilligten sich um 1,8 Prozent, nachdem die WestLB die Aktie von "Buy" auf "Add" abgestuft hatte.

Die Aktien von Lanxess wurden durch geplante Produktionskürzungen belastet und stiegen deshalb mit 0,8 Prozent schlechter als der Markt. Einem Zeitungsbericht zufolge will das Unternehmen bis Januar in etwa einem Drittel seiner deutschen Betriebe die Produktion herunterfahren. Händler bewerteten den Bericht als tendenziell schlecht für Lanxess. Der Konzern gehöre zu den wenigen in dem Sektor, der bislang noch keine Gewinnwarnung ausgesprochen habe.

Der Aktienkurs von Heidelbergcement stieg um 20 Prozent, nachdem offenbar Bewegung in den Bankverhandlungen von Eigentümer Adolf Merckle über Kredite gekommen ist. Der in Finanznöte geratene Unternehmer will Anteile an seinen Beteiligungen wie Heidelbergcement, Ratiopharm und Phoenix als Sicherheit andienen. "Das könnte Bedenken über einen möglichen Verkauf vertreiben und den Aktienkurs stabilisieren", sagte Heino Ruland von Frankfurtfinanz.

Solartitel wie Roth & Rau, SMA Solar und Solon verloren bis zu 8Prozent und führten damit die Verliererliste im TecDax an. Q-Cells verloren angesichts einer Reihe negativer Analystenkommentare mehr als 5 Prozent. Citigroup hatte das Kursziel von 80 auf 60 Euro gesenkt. ING hatte die Solartitel von "Hold" auf "Sell" heruntergestuft. SolarWorld büßten 4,9 Prozent ein.

Gerresheimer wurden im SDax von einem negativen Analystenkommentar belastet. Die Papiere waren mit einem Verlust von 22,5 Prozent mit Abstand größter Verlierer im Index. Dresdner Kleinwort hatte die Aktien von "Buy" auf "Hold" herabgestuft. Die Analysten rechnen kurzfristig mit Druck auf den Aktienkurs. Mittelfristig habe die Firma aber aber Wachstumsperspektiven. Die Pharmazieverpackungs-Branche sollte auch in einem schwierigen Umfeld moderat wachsen.