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Die Kraft der ZuversichtDax mit dickem Wochenplus

02.12.2011, 17:49 Uhr
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"Restzweifel" lassen die Gewinne am Ende leicht "abtröpfeln". (Foto: picture alliance / dpa)

Es scheint Bewegung in die Euro-Schuldenkrise zu kommen. Zumindest hoffen die Anleger das. Nach der Regierungserklärung von Kanzlerin Merkel verteilen sie Vorschusslorbeeren. Der deutsche Aktienindex fährt sein größtes Wochenplus seit drei Jahren ein.

Zunehmende Hoffnungen auf eine Lösung in der Schuldenkrise haben dem deutschen Aktienmarkt am letzten Handelstag der Woche kräftigen Auftrieb verliehen. Restzweifel sorgten dafür, dass einige Gewinne im Tagesverlauf wieder abschmolzen. Positiv bewertete der Markt vor allem die Aussagen aus einer Regierungserklärung von Bundeskanzlerin Angela Merkel und die sich abzeichnende Einigung im Streit um den Stresstest bei den Banken.

Der Dax notierte zuletzt 0,7 Prozent höher bei 6080 Punkten. Auf Wochensicht brachte das Börsenbarometer damit ein Plus von rund 10,7 Prozent über die Ziellinie - dies ist der größte Wochengewinn seit November 2008. Das Tageshoch lag bei 6169 Zählern.

Der MDax schaffte ein Plus von 0,9 Prozent auf 8987 Zähler. Der TecDax landete mit 0,1 Prozent im Plus bei 697 Punkten.

Händler sprachen bei den Gewinnmitnahmen von keinerlei Verkaufsdruck. "Es tröpfelt mehr so langsam 'runter", sagte ein Händler. Die großen Konjunkturdaten des Tages, wie der US-Arbeitsmarktbericht, hätten nicht besonders belebt. "Da ist es gerade nach so einer Woche normal, dass Positionsanpassungen und Gewinnmitnahmen eintreten", sagte der Händler.

Warten auf eine "frohe Botschaft"

Gestützt wurden die Märkte von positiven US-Arbeitsmarktdaten und Spekulationen über EZB-Gelder für Problemländer mit Hilfe des IWF. Im Fokus standen aber die deutsch-französischen Lösungsansätze in der Schuldenkrise. Nachdem Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy sich am Vortag für ein enges gemeinsames Vorgehen von Frankreich und Deutschland ausgesprochen hatte, formulierte Bundeskanzlerin Angela Merkel in einer Regierungserklärung vor dem Bundestag, welche Position Deutschland auf dem Euro-Gipfel Ende kommender Woche einnehmen wird.

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Merkel wird keine Eurobonds im Gepäck haben, wenn sie zum EU-Gipfel fährt. (Foto: picture alliance / dpa)

Der Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank, Robert Halver, kommentierte die Rede mit den Worten: "Frau Merkel hat die Erwartungen an den Euro-Gipfel Ende der nächsten Woche noch etwas hochgeschraubt." Die Hoffnung, dass die Bundeskanzlerin auf dem EU-Gipfel mehr Lösungsansätze für die Euro-Krise auflisten werde als bisher, wachse zunehmend. "Frau Merkel muss es schaffen, gemeinsam mit ihren Amtskollegen die Finanzmärkte mit einer frohen Botschaft in die Weihnachtspause zu schicken."

Die Bundeskanzlerin hatte am Morgen als Gipfel-Ziel unter anderem Änderungen der EU-Verträge zur Schaffung einer Fiskalunion genannt. Zudem sagte sie, dass eine "Stabilitätsunion" auf der Tagesordnung stehe. Sie mahnte an, dass Regeln eingehalten und Verstöße geahndet werden müssten. Dagegen erteilte die Kanzlerin gemeinsamen Staatsanleihen der Euro-Länder, sogenannten Eurobonds, erneut eine klare Absage.

Einigung im Streit um Stresstests?

Gefragt waren über den gesamten Handelstag die Bankenwerte. Einem Bericht des "Handelsblatt" zufolge wollen die europäische Bankenaufsicht (EBA) und die nationalen Behörden die Stresstests für Banken wohl nicht weiter verschärfen. Die Aktien von Commerzbank und Deutsche Bank kletterten um 10,6 bzw. 5,0 Prozent. Werden die Stresstestkriterien für europäische Banken nicht weiter verschärft, läge die Kapitallücke für fünf deutsche Banken bei rund zehn Milliarden Euro.

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Der Himmel über den Bankentürmen von Frankfurt. (Foto: dpa)

Die Commerzbank muss sich Finanzkreisen zufolge auf einen zusätzlichen Kapitalbedarf von fünf Mrd. Euro einstellen, die Deutsche Bank auf drei Mrd. Euro. Der genossenschaftlichen DZ Bank fehlen nach früheren Angaben aus Finanzkreisen 350 Mio. Euro. Kapitallücken tun sich zudem bei den Landesbanken LBBW und Nord/LB auf. Die Ergebnisse des laufenden Banken-Stresstests werden den Informationen zufolge frühestens am nächsten Mittwoch veröffentlicht, wenn sich die Vertreter der nationalen Bankenaufsichtsbehörden in London treffen, um abschließend über die Daten zu beraten. Möglicherweise werde es aber auch Freitag, heißt es.

Autoaktien liegen gut im Rennen

Die wachsende Nachfrage der US-Verbraucher nach deutschen Autos sorgte für Kursgewinne bei Autoaktien: Daimler kletterten um 1,7 Prozent, BMW um 0,8 Prozent und Volkswagen um 1,5 Prozent. Vor allem Autos der Marke Mercedes waren gefragt. Hier stieg der Absatz in den USA um 55 Prozent, bei VW legten die US-Verkäufe um 41 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu, BMW verbuchte ein Plus von 2,5 Prozent.

Einer der wenigen Titel, die sich wirklich rot präsentierten, waren ThyssenKrupp mit minus 6,4 Prozent. Anleger flohen, nachdem der Konzern ankündigte, im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Milliardenverlust geschrieben zu haben. Die Bekanntgabe der Zahlen war vorgezogen worden. Details will er Konzern auf auf einer Pressekonferenz um 14 Uhr bekanntgeben.

Im MDax gehörten Vossloh zu den größten Gewinnern. Nach Aussagen zur Dividende und zum Ausblick auf die kommenden beiden Jahre kletterten die Titel zuletzt um 2,3 Prozent nach oben.

Index-Überprüfungen

Kommenden Montag steht die routinemäßige Sitzung des Arbeitskreises Aktienindizes der Deutschen Börse auf der Agenda. Marktbeobachter erwarten jedoch keinerlei Veränderungen in den wichtigsten deutschen Aktienindizes. Es sehe nicht danach aus, dass eines der Mitglieder von Dax, MDax, TecDax oder SDax bei der letzten Überprüfung des Jahres vorzeitig seinen Platz räumen müsse, sagten mehrere Index-Experten übereinstimmend.

Einziger Wackelkandidat sei Q-Cells, ergänzte Commerzbank-Analyst Thorsten Griffe. Nach bisherigem Stand werde die Solarfirma aber im TecDax bleiben. "Möglicher Nachrücker wäre Sartorius." Im MDax habe Continental zwar gute Chancen für einen Aufstieg in die erste deutsche Börsenliga, fügte Griffe hinzu. Der Auto-Zulieferer müsse sich aber voraussichtlich bis zur regulären jährlichen Überprüfung im September gedulden.

Der Arbeitskreis Aktienindizes der Deutschen Börse prüft regelmäßig, ob Index-Mitglieder aufgrund einer zur geringen Marktkapitalisierung des Streubesitzes oder mangelnder Handelsumsätze die Kriterien für einen unmittelbaren Abstieg erfüllen. Nur dann haben Aspiranten die Chance für einen Aufstieg.

Quelle: ddi/DJ/rts/dpa